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Stiefkind Kurzschrift

block“ aufgenommen wurde. Die „Union österreichischer Akademiker“, auch „Wahlblock“ genannt, ist in Österreich noch immer die stärkste Gruppierung in der Hoch-ßchulpolitik und wird von CV und KV geführt. Der Wahlblock steht zwar für die Mitarbeit aller Studenten offen — in der Praxis kommen aber in den letzten Jahren Nicht-korporierte selten zum Zug, seitdem die nach 1945 florierende „Freie österreichische Studentenschaft“ kein Machtfaktor mehr ist. Nicht zuletzt glauben manche in dem „Fall Sperl“ einen Beweis für diese These zu sehen. Sperl bemühte sich für seine Gruppe um eine offizielle Aufnahme In den „Wahlblock“, erhielt jedoch keine Antwort auf sein Ansuchen. Man spricht heute davon, daß formale Mängel des Ansuchens einer Aufnahme hinderlich gewesen seien.

Sperl, der schon am 19. Februar mit Dank entlastet worden war, wollte einen seiner Leute als neuen Vorsitzenden — und stieß auf Widerstand. In Graz und in Wien. Das Präsidium der „Union österreichischer Akademiker“ in Wien ordnete schließlich an, daß Peter Strallhofer (KV) Vorsitzender der Hochschülerschaft an der Universität werden müsse. — Sperl wurde in der entscheidenden Fraktionssitzung am 28. Mai in Graz erklärt, er besitze nicht mehr das Vertrauen der Fraktion, weil es nicht sicher sei, ob er sich an den Präsidiumsbeschluß halte.

Wenige Tage später kündigte Gerfried Sperl die Gründung einer neuen hochschulpolitischen Gruppe an. Der neue Vorsitzende, Peter Strallhofer, sprach in einer Pressekonferenz von einer „Spaltung im gleichen weltanschaulichen Lager“.

Sperl, der nach geinen Angaben als Katholik (er ging aus der Katholischen Hochschuljugend hervor) Politik im Interesse aller Studenten machen will, bekundet für solche Kategorien wenig Verständnis: „Der Begriff .Bürgerliches Lager' ist für mich unwichtig. Bürgerlich oder nichtbürgerlich ist in der modernen Gesellschaft ohne Belang.“ Er will eine möglichst aktive Zusammenarbeit vieler Gruppen in der studentischen Politik und kennzeichnet den politischen Standpunkt seiner „Aktion“ mit „rechts von links und links von rechts“.

Wie es in Österreich üblich ist, wurde bereits versucht, die „Gruppe Sperl“ mit einem Etikett zu versehen. Weil sich mit den sozialistischen Studenten in manchen Fragen gemeinsame Berührungspunkte ergaben, sprach man schon von „Konspiration mit den Marxisten“. Da die Haltung der „Gruppe Sperl“ zu Österreich eindeutig ist, befaßte sich auch die in Hamburg erscheinende „Deutsche Wochenzeitung“ (in Österreich vertrieben vom Chef der „Kameradschaft 4“, dem Verein ehemaliger Mitglieder der SS) mit dem „Impuls“, der in der Ära Sperl unter dem Chefredakteur Hans Premer zu einer profilierten und zur bestaufgemachten Studentenzeitschrift Österreichs wurde. Die „Deutsche Wochenzeitung“ schreibt unter anderem: „An der Grazer Universität erscheint ein geistiger Ableger jener linksradikalen Studentenzeitungen, die auch in der Bundesrepublik haßerfüllt gegen alles Volksbewußte und Soldatische zu Feld ziehen.“

Experimentlerfeld Graz

Es ist sicher kein Zufall, daß es gerade in Graz, wo sich die Extreme

berühren, zu dieser Neugründung einer hochschulpolitischen Studentenvereinigung kommt. In Graz gibt es renommierte CV-Verbindungen mit einer achtungsgebietenden Tradition, wie zum Beispiel die „Carolina“; in Graz hat der Ring Freiheitlicher Studenten an der Technik die absolute Mehrheit und an der Universität die relative, und die Grazer Sozialistischen Studenten schließlich waren maßgebend an der „Revolte“ innerhalb des Verbandes Sozialistischer Studenten in der Wiener Zentrale beteiligt

Die weltanschaulichen Fronten sind ziemlich klar abgegrenzt, aber dennoch ist heute eine absolute Frontstellung schwer geworden, weil sich in der sachlichen Arbeit viele Berührungspunkte finden lassen. Unsere differenzierte Gesellschaft verlangt ein differenziertes Denken, das mit den Freund-Feind-Kategorien der Vergangenheit nicht mehr auskommt. Es ist kein Zufall, daß gerade auf Hochschulboden die Differenzierung in der Praxis der hochschulpolitischen Auseinandersetzung sich nun stärker auszuwirken beginnt.

Nicht alles, was Sperl und seine Leute in der Hochschulpolitik leisteten, war ohne Fehl, und niemand wird bestreiten, daß auch vorher in der Hochschulpolitik fruchtbare Arbeit geleistet wurde, nicht alles, was hier improvisiert konzipiert wird, wird sich dann auch verwirklichen lassen — aber es scheint, als hätten die Studenten der „Aktion“ ein noch etwas unartikuliertes Gespür für manches, was unsere Zeit braucht, es scheint, als würde hier einmal versucht, einzelne Chancen zu nützen, die bisher leider nicht gesehen wurden,

Uber die Notwendigkeit der Kurzschrift sollte man kein Wort mehr zu verlieren brauchen. In einer so redereichen und redelustigen Zeit, wie es die unsere ist, in einer Zeit, in der das gegenseitige Vertrauen nicht gerade am, größten,, ist, muß das gesprochene Wort genau festgehalten -' werden.“, Gewiß sagen manche: Dazu gibt es heute Maschinen, Tonbandgeräte usw., die viel verläßlicher aufnehmen, als dies die beste Kurzschrift vermag. Gelegentlich kann dies zutreffen. Wer aber schon einmal eine auf Tonband aufgenommene Rede zu übertragen hatte, wird mit mehr Achtung von der Kurzschrift sprechen.

Es ist dem neuen Schulgesetz leider nicht gelungen, der Kurzschrift eine einwandfrei gesicherte Stellung in der Schule zu verschaffen. In der Pflicht- und höheren Schule scheint die Kurzschrift nur als Freigegenstand auf; lediglich in der 4. Klasse der Hauptschule ist sie Pflichtgegenstand. Die Hauptschüler sind — so gesehen — besser ausgebildet als die „höheren Schüler“. Ob das im Sinne der Verfasser lag? Die Schule konnte für Wirtschaftskunde gewonnen werden, aber nicht für Maschinenschreiben. Liegen hier nicht kleine, peinliche Folgewidrigkeiten vor?

Welche Kurzschrift gilt?

Die Verkehrsschrift ist in ungeteilter Form, ergänzt durch elf wahlfreie Abkürzungen für die Namen der österreichischen Bundesländer sowie für die Grundbezeichnungen der österreichischen Währung, zu unterrichten. So lautet der Lehrplan für die Volksschule und für den ersten Klassenzug der Hauptschule.

Im zweiten Klassenzug der Hauptschule ist die Vollverkehrsschrift, also die unverkürzte Verkehrsschrift, vorgeschrieben. Für die höhere Schule heißt es ebenfalls Vollverkehrsschrift; das sind die 1 bis 8 der Systemurkunde 1936. Nur in günstigen Fällen können auch wesentliche Abschnitte der verkürzten Verkehrsschrift, das ist der 9, durchgenommen werden.

In den musisch-pädagogischen Realgymnasien, also in den als Zubringerschulen für die künftige Lehrerbildung, wird ebenfalls nur die „Verkehrsschrift in ungeteilter Form“ gelehrt.

Diese Uneinheitlichkeit stört nicht nur den Unterricht, zum Beispiel bei etwaigen Übertritten, sie ist auch vom Standpunkt der Lehre und des Stoffes aus nicht zu begründen.

Warum entschloß man sich nicht allgemein für einen Kurzschriftunterricht in ungeteilter Form? Warum im zweiten Klassenzug und in der höheren Schule die Vollverkehrsschrift? Ist die höhere Schule dem zweiten Klassenzug der Hauptschule gleichzustellen?

Entstand dieses . Durcheinander, weil die Lehrpläne nicht einheitlich verfaßt und aufeinander abgestimmt wurden?

Welche Kurzschrift wird in Österreich gelehrt? Das vom Bundes-

ministerium für Unterricht allgemein vorgeschriebene System (so im Lehrplan für die musisch-pädagogischen Realgymnasien). Im Lehrplan für die höheren Schulen wird die Systemurkunde 1936 genannt. Warum wird im Lehrplan nicht sofort das „System“ vorgeschrieben? Oder will man in der nächsten Zeit die Gabelsberger-Schrift wieder einführen?

Das Bundesministerium für Unterricht müßte wohl auch eine Schrifturkunde herausgeben, damit wir nicht auf eine ausländische Quelle angewiesen sind. Die Deutsche Demokratische Republik gab 1946 eine „Urkunde der Deutschen Stenographie (Einheitskurzschrift)“ heraus. '

Graphische und systemale Korrektheit

Eine höchst überflüssige, um nicht zu sagen geschwollene Ausdrucksweise stellt es dar, wenn „auf graphisch und systemale Korrektheit im Schreiben“ hingewiesen wird. Ließe sich das nicht besser und ein-

facher in unserer Muttersprache sagen, zum Beispiel auf eine schöne, deutliche, lesbare und richtige Schreibweise ist besonders zu achten.

Außerdem meinen wir, daß die „elf wahlfreien Abkürzungen für die Namen der österreiohischen Bundesländer sowie für die Grundbezeichnungen der österreichischen Währung“ nicht als wahlfrei und nicht als Abkürzungen zu bezeichnen sind, sondern als Kürzel zu gelten haben.

Entspricht der Ausdruck „mechanische Beherrschung der Kürzel“ (zum Beispiel im Lehrplan der Volksschule) der Ausdrucksweise einer neuen Schule? Ich schlage vor, an Stelle einer mechanischen Beherrschung eine „sichere oder einwandfreie Beherrschung der Kürzel.“

Kurzschriftwörterbuch ist unerläßlich

Neben der schon oben geforderten Schrifturkunde braucht der Kurzschriftunterricht in Österreich ein österreichisches Kurzschriftwörterbuch. Oder sollen wir auch hier auf die Bundesrepublik Deutschland angewiesen sein? Ein Kurzschriftunterricht ohne Wörterbuch ist undenkbar. Obwohl es einen Duden gibt, zweifelt niemand an der Notwendigkeit eines österreichischen Rechtschreibewörterbuches. Dasselbe gilt auch für die Kurzschrift!

Vielleicht geht es mit einem genehmigten Nachdruck! Man könnte in einem Anhang die in Österreich zusätzlich geforderten Kürzel für die^ Bundesländer und die Währungseinheiten sowie einige für die Sprache in Österreich besonders kennzeichnende Wörter hinzufügen.

Es wäre klug und gegenwartsnah gewesen, wenn man den Unterricht im Schreiben, Schönschreiben, in Kurzschrift und Maschinenschreiben gemeinsam geregelt hätte. Wird man auf die Dauer in der Pflichtschule das Maschinenschreiben umgehen können? Sollte nicht jeder, der eine geschlossene Bildung in Österreich erhält, Kurzschrift und Maschinenschreiben pflichtig lernen müssen?

Wir reden keinem neuen Gegenstand das Wort, die Schule hat bereits genug Gegenstände, aber vielleicht ließe sich manches in die vorhandenen Gegenstände einbauen. Verzichten wir auf Geographie und Geschichte in den ersten Klassen der Haupt- und höheren Schulen, wo hierfür das Verständnis noch kaum vorhanden ist, und legen wir mehr Gewicht auf die Muttersprache in Wort und Schrift, hier in Kurz- und Maschinschrift

Snljburocrllactiridtfm

Es scheint, dal) eine befrächtliche Zahl derer, die die Geschicke des Slaaies lenken, die Einrichtung des Volksbegehrens ganz und gar verkennen, sie bestenfalls als kuriose Attraktion befrachten, die man in einem Raritätenkabinett zur Schau stellt, zudem als Attrappe, weil das Originalstück entweder gar nicht vorhanden oder abhanden gekommen ist. Sogar der Grofjteil jener Politiker, die aus mannigfaltigen Gründen das Volksbegehren stützen, halten es für etwas Artfremdes, das man launisch dem österreichischen Verfassungs-gefüge aufgestockt hat, ohne sich dabei etwas gedacht zu haben.

Alle weisen Praktiker und Theoretiker der Politik lehren von alters her, dar) die Verfassung die Seele des Staates, der Geist der Verfassung der eigentliche Herr im Hause sei. Freilich, der Mensch denkt wenig an die Seele, der Geist kümmert ihn kaum. So nimmt es nicht wunder, daß man, wenn es hochkommt, den Buchstaben der Verfassung zur Kenntnis nimmt.

Geisf und Buchstabe der Verfassung weisen das Volk als den Herrn im Hause aus; die Abgeordneten sind Diener des Volkes.

Wie können Diener die Initiative des Herrn übersehen? Wenn es vorläufig auch nur rund ein Zehntel des Gesamtvolkes ist, das die Initiative ergriffen hat, so ist das eine imposante Zahl gegen die Abgeordnetenzahl i

Die Widersacher des Volksbegehrens vergessen, daß sie heftig am Ast sägen, auf dem sie sitzen. Leider werden wir den Plumpser alle spüren und hören. Ist einmal das Volk endgültig verdrossen und der Demokratie entfremdet, dann ist der Freistaat tot. Die Widersacher des Volksbegehrens sollten froh darob sein, dar) es noch ein politisches Engagement in Österreich gibt — ein kräftiger Beweis dafür, daß die Demokratie lebt. Wer demokratische Gesinnung predigt und fordert, dem steht es schlecht an, ein Begehren des Volkes zu mißachten.

(Ran Marclci „Wid.r den Geist der Verfassung“)

Vor genau einem Jahr schrieben wir dn dieser Stelle in einem Kommentar zum Volksbegehren, das damals gerade ih den Parteizentraleh heftig diskutiert wurde: „Das Volksbegehren ist eine Warnung von Demokraten im Namen der Demokratie und zum Schutz der Demokratie.“ Die „Aktion Volksbegehren“ lasse erkennen, wie die wahre Stimmung des Volkes sei: „Man soll das Volk nicht provozieren!“

Man provozier! aber. Und was das Verhängnisvollste ist: Man merkt es nicht einmal, dar; man provoziert, weil das ausschließlich parteipolitische Denken, das Denken in parteipolitischen Machtkategorien und Machtpositionen ein Verständnis für einfachere Gedankengänge auszuschließen scheint.

Das Volk versteht dieses Denken in Machtpositionen schon lange nicht mehr. Das Volk erkennt auch sehr genau, wann es provoziert wird und wer es provoziert. Denn das Volk besteht aus denkenden Individuen, aus Menschen, die sich ihre Gedanken machen. Und es wird mehr gedacht, als manchem selbstzufriedenen Parteimann lieb ist.

Und eines Tages werden sich diese Gedanken auch in der Praxis des politischen Lebens sehr deutlich auswirken.

Auch dann wird man wieder nach Schuldigen suchen, vielleicht entdeckt man sogar die richtigen, aber eine genaue Analyse der Situation wird ganz einfach ergeben, daf) die Demokratie eben stärker war als manche „Demokraten“.

(Kurl Wimmer: „Vertrauen und Autorität schwinden“)

Die Presse

Robert Kennedy hat in den letzten Wochen mehrmals parlamentarische Manöver inszeniert, die mehr oder weniger direkt gegen den Präsidenten und die mit ihm verbündete Majorität im Senat gerichtet waren. So hat er während der Viefnam-bewilligungsdebatfe Anfang Mai in gedämpfter Kritik der Administration ein zu starkes Abstützen auf die militärische Seite vorgeworfen und ihr in der dominikanischen Krise den Mangel an Konsulfation der Verbündeten angekreidet. Auch in einer Reihe innenpolitischer Debatten hat er einen liberaleren Kurs als den der Regierung und des Establishments seiner Partei im Kongreß vorgeschlagen.

Dies alles bedeutete immer noch nicht so viel, wenn es nicht von einem Kennedy käme, der bereits seit vielen Jahren aus seiner Abneigung gegen Lyndon Johnson kein Hehl gemacht hat. Es war Robert Kennedy,

der mit Elan gegen seines Bruders Entschluß, Johnson 1960 zum Kandidaten für die Vizepräsidentschaft zu ernennen, manövrierte. Und es war das Justizministerium unter Robert Kennedy, das die Untersuchungen des Baker-Skandals einleitete, wie viele Beobachter in Washington damals glaubten, in der Hoffnung, den Vizepräsidenten Johnson zusammen mit seinem ehemaligen Fraktionssekretär Baker zu diskreditieren. Daf) die makabren Geschehnisse von Dallas eben diesen LBJ zur Präsidentschaft beförderten, war eine Wendung, die viele Pläne in ihr Gegenteil verkehrten.

Was hat Robert Kennedy mit seinen Aftacken gegen den Präsidenten im Sinn? Die Annahme, daß er es „Lyndon heimzahlen“ wollte, ist zu simpel. Natürlich hat Kennedy die Präsidentschaftskandidatur und das/' Weiße Haus im Auge.

Daß beide Kennedys entgegen ihrer früheren Färbung auf einen Kurs eingeschwenkt sind, der links von der Johnson-Linie liegt, sollte angesichts ihrer Wählerschaft in den Industriegebieten und den Großstadtballungen des Nordosfens nicht verwundern. Zudem ist die Mitte durch Lyndon Johnson so weifgehend ausgeschöpft, daß hier kein Platz für den Aufbau einer anderen Machtposition bleibt. Es ist ebenfalls kein Wunder, daß Kennedy sich in seiner ersten großen außenpolitischen Herausforderung für einen neuen Tesfbannvertrag einsetzte, da in der Atomkontrolle das Herz und die Essenz der Außenpolitik seines verstorbenen Bruders beschlossen war.

(Marlene Manthey! „Wie schon mein Bruder sagte . ..“)

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Vor einigen Jahrzehnten stand ein junger Journalist am Schreibtisch eines alten Kollegen, um dessen Vermächtnis entgegenzunehmen. „Junger Freund“, sagte der Alte, „nichts kann ich Ihnen hinterlassen als das Wohnungsproblem. Das allerdings ist etwas fürs ganze Leben.“

In der Tat schrieb nun der Junge Journalist und schrieben viele seiner Kollegen mit ihm unermüdlich Artikel, in denen sie nimmermüde das brennende Wohnungsproblem darstellten und die Notwendigkeit seiner raschen Lösung nachdrücklich forderten- Sie schrieben' und schreiben, und wenn sie darüber nicht gestorben sind, “dann' schreiben sie noch HeüteTund sie werden es morgen und übermorgen noch immer tun müssen, und niemand — am allerwenigsten die Regierungsparteien selbst — kann ihnen sagen, wann nicht mehr.

(Dr. Hermann Polz: „Aftermieter In Europas Hinterstube)

Ich bin dagegen, daß wir uns aus Südvietnam bedingungslos zurückziehen, weil wir mit einer solchen Handlungsweise gegenüber Leuten, die wir zu verteidigen versprochen haben, die Treue brechen würden; weil es die Glaubwürdigkeit amerikanischer Garantien an andere Länder schwächen oder zerstören würde; und weil ein solcher Abzug die Ansicht in Peking und anderswo bestärken würde, daß von außen unterstützte Guerillakriege ein verhältnismäßig sicheres und billiges Mitfei sind, die kommunistische Macht auszudehnen.

Ich bin nicht weniger gegen eine weitere Ausdehnung des Krieges eingestellt, denn die Bombardierungen von Nordvietnam haben bisher die militärische Leistungsfähigkeit des Vietkong in keiner ersichtlichen Weise geschwächt; weil eine Ausdehnung die Intervention — oder Infiltration — in großem Maßstab von einer großen Anzahl von nordviefnamischen Truppen herausfordern würde; weil dieses wiederum die Vereinigten Staaten vermutlich in einen blutigen und lang dauernden Dschungelkrieg ziehen würde, in dem die strategischen Vorfeile bei der andern Seite lägen; und schließlich, weil die einzig mögliche Alternative zu einem solchen Landkrieg daraufhin eine weitere Ausdehnung des Luftkriegs wäre, in einem Maße, das entweder eine massive chinesische militärische Intervention in vielen verwundbaren Gegenden in Südosiasien oder aber einen allgemeinen nuklearen Krieg nach sich ziehen würde.

(Senator William Fulbrighl: „Frieden nach dem Regen“)

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