EZB und Selbstvertrauen

Seit 10 Jahren haben wir der Weltwirtschaft künstlich Drogen injiziert, damit sie funktioniert: Nullzinsen. Als das "quantitative easing" begann, wurde argumentiert, man brauche das billige Geld als "Kickstarter" für die Ökonomie. Dieser Ausdruck entsprang der Vorstellung, dass der Patient (die Ökonomie) bereit sei für einen "Kick" und dass das "Kicking" schnell gehen würde -ein-,zweimal Kick, und die Wirtschaft würde wieder von alleine laufen. Nun "kicken" wir schon seit einer Dekade.

Zinssätze bestimmen den Preis des Geldes und sie repräsentieren zugleich das Risiko der Zukunft. Gleichzeitig bedeuten sie aber auch jene Bewegung der Ökonomie, mit der sie sich beschleunigt oder langsamer wird. Für zehn Jahre beschleunigten die Zentralbanken also -so als gäbe es eine Zukunft ohne jedes Risiko. Selbst im Vorfeld der Krise, welche diese Zinssenkungen auslöste, wäre dieses Szenario wie aus dem Science-Fiction-Genre erschienen. Auch die Lehrbücher wussten von nichts Vergleichbarem. Dieses Kuriosum hat unser Leben verformt, die Westliche Zivilisation badete darin für Jahre. Jetzt aber haben die Zentralbanker eine schwierige Aufgabe. Sich aus einer Situation zurückzuziehen, aus der sich noch niemals jemand zurückgezogen hat.

Als die EZB 2012 "Creditor of last Resort" wurde, hielt ich eine Vorlesung, in der ich sie "Believer of last Resort" nannte. Auf Latein heißt Credo Glaube und das tschechische Wort "Kreditor"(jemand, der einen Kredit gibt) liegt nah beim Wort für "Gläubige". Die Zentralbanken versorgten die Märkte mit Glauben, den sie nicht hatten. Nun haben die Märkte ihren Glauben wieder und die Zentralbanken müssten nun auf die Bremse steigen und Selbstvertrauen demonstrieren. Aber Achtung: Auch im Vorfeld der Krise gab es eine Zinserhöhung durch die FED. Nun heißt es: "Zeige Selbstvertrauen, aber nicht zu viel!"

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