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"Es mangelt an allem"

Die Ärztin Eva-Maria Hobiger über die Lage in Basra.

Die Furche: Seit nunmehr drei Jahren helfen Sie mit ihrem Projekt "Aladins Wunderlampe" schwer kranken Kindern im Südirak, in Basra. Am Beginn mussten Sie sich noch gegen un-Sanktionen wehren, wo liegen für Ihr Projekt jetzt die Probleme?

Eva-Maria Hobiger: Jetzt überschattet die Sicherheitsproblematik einfach alles. Bis im August 2005 war ich bei jeder Medikamentenlieferung noch dabei, jetzt erstmals nicht. Und auch die Gefahr, dass etwas gestohlen wird, wird immer größer. Zum Glück haben wir in unserem Spital verlässliche Ärzte. Für die ist ihr Beruf noch eine Berufung. Sie könnten - und sollten - eigentlich weggehen, weil es so gefährlich geworden ist. Aber sie sagen: "Nein, mein Platz ist hier bei den Kindern."

Die Furche: Gibt es neben ihrerm Projekt auch noch andere Projekte in Basra und Umgebung?

Hobiger: Es gibt in Basra keine ausländische Hilfsorganisation, die noch selbst dort arbeitet. Auch die Organisation Safety Children musste ihr Büro schließen. Nur noch wenige Organisationen arbeiten hier mit irakischen Leuten zusammen - und das aus der Distanz. Es ist für Ausländer einfach viel zu gefährlich geworden. Basra galt anfangs als relativ sicher, aber jetzt ist es schon vergleichbar mit Bagdad.

Die Furche: Mit der Sicherheitslage wird sich auch die humanitäre Situation verschärft haben.

Hobiger: Ja, die Versorgungslage in den Spitälern ist katastrophal. Dazu kommt die Sommerzeit mit 55 Grad. Es gibt keinen Strom und vor allem kein Wasser. Die Leute trinken aus einem total kontaminierten Fluss. Da gibt es dann so absurde Situationen, wie von einem unserer Kinder: Dieses Kind hatten wir schon vom Krebs geheilt und dann ist es an Durchfall gestorben ist, weil Infusionen fehlen. Es mangelt an allem.

Die Furche: Was bedeutet das für Ihr Projekt?

Hobiger: Auf jeden Fall will ich die medikamentöse Unterstützung weiterlaufen lassen. Auch die Behandlung für die Kinder in Österreich - vier Kinder sind im Moment hier - und das Training für die Ärzte sollen bestehen bleiben. Meine Arbeit werde ich fortführen, solange sie notwendig ist. Und das wird sie noch lange sein.

Das Gespräch führte Lukas Sustala.

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