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Geringe Zuschüsse für Landwirte

Gegen Genossenschaften wehren sich die Leute. Zu sehr schmerzt die Erinnerung an die kommunistische Zwangskollektivierung.

Rund 40 Prozent des gesamten EU-Haushaltes fließen in die Landwirtschaft, also rund 59 Milliarden Euro pro Jahr. Wie dieses Geld verteilt wird, wird in der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) der EU geregelt. Trotz Versuchen, Subventionen an Kriterien wie Umweltschutz zu koppeln, zählt hier vor allem die Größe der Betriebe. Die Gemeinsame Agrarpolitik wird alle sieben Jahre neu verhandelt, die nächste Reform soll nach 2020 umgesetzt werden. Sie wird jetzt diskutiert. Für die rumänischen Bauern hat bislang nicht viel herausgeschaut. Aus den Direktzahlungen, der wichtigsten Subventionssäule, schöpfen rund 90 Prozent der rumänischen Bezieher weniger als 1250 Euro im Jahr ab -sie sind einfach zu klein. Dabei verfügt Rumänien über die sechstgrößte landwirtschaftlich genutzte Fläche in der EU -und mit im Schnitt 2000 Euro pro Hektar über den billigsten Boden. Hier wird EU-weit die größte Ernte an Sonnenblumenkernen eingefahren und von hier aus wird der meiste Mais exportiert. Doch die bäuerliche Arbeitsweise ist, abgesehen von wenigen Großinvestoren, nicht sehr produktiv. Jeder bewirtschaftet für sich seine Parzelle, gegen Kooperationen, gegen Genossenschaften wehren sich die Leute -wirtschaftliche Vernunft hin oder her. Zu sehr schmerzt den Landwirt die Erinnerung an die kommunistische Zwangskollektivierung, selbst wenn man sie nicht am eigenen Leib erfahren hat. 2016 hatte die rumänische Regierung versucht, mittels eines Gesetzes rumänische Produkte in die Supermärkte zu zwingen. Mindestens 51 Prozent der Lebensmittel in den Regalen sollten demnach aus Rumänien stammen. Das Gesetz scheiterte an den EU-Gesetzen -Brüssel sah den Binnenmarkt außer Kraft gesetzt -und an der Realität: Die rumänische Landwirtschaft hätte die Importware nicht ersetzen können. Die Landwirtschaft erwirtschaftet aber immer noch mehr als vier Prozent des Bruttoinlandsprodukts -ein europäischer Spitzenwert -und sie beschäftigt ein Viertel aller Arbeitskräfte.

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