Quint-Essenz

Normalität: Unsexy und verdächtig

1945 1960 1980 2000 2020

Alte Normalität, neue Normalität, Hauptsache Normalität - warum reiten unsere PolitikerInnen eigentlich so penetrant auf diesen Begrifflichkeiten herum? Ganz normal ist das nicht, findet Kolumnistin Brigitte Quint.

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Alte Normalität, neue Normalität, Hauptsache Normalität - warum reiten unsere PolitikerInnen eigentlich so penetrant auf diesen Begrifflichkeiten herum? Ganz normal ist das nicht, findet Kolumnistin Brigitte Quint.

Die inflationäre Verwendung des Wortes „Normalität“ geht mir langsam, aber sicher auf die Nerven. Das Credo der vergangenen Monate war, dass wir uns an eine neue Normalität gewöhnen müssten. Nun heißt es, die alte Normalität würde doch wieder zurückkommen. Aber erst nächstes Jahr. Im Sommer.

Ich will weder eine neue noch eine alte Normalität. Ich will überhaupt keine Normalität. Das Wort Normalität ist im besten Fall langweilig. Vor allem aber ist es verdächtig. Normalität bedeutet, dass es eine Definition darüber gibt, was normal ist. Wer normal ist, fällt nicht auf, verhält sich so, wie es von ihm erwartet wird. Was genau ist so sexy daran?

Und was genau war an der alten Normalität normal? Dass wir tonnenweise Billigware aus Fernost importiert haben? Dass sich die EU auf keine menschengerechte Lösung in der Flüchtlingscausa einigen konnte? Dass im Minutentakt Flugzeuge über unsere Köpfe donnerten? Dass wir Kriege und hungernde Kinder hingenommen haben? Dass Typen wie Trump die USA regieren?

Derzeit hat man den Eindruck, wir müssten nur das Virus in den Griff kriegen, und schon wären wir zurück im Garten Eden. Glauben Kurz und Co. eigentlich selbst an ihre Heilsbekundungen? Oder halten sie ausschließlich zu PR-Zwecken an der Normalität fest?

Das Wort Neuanfang würde mir gefallen. Die Tatsache, dass die Welt aus den Fugen geraten ist, könnte eine Chance sein, eben nicht in die alte Normalität zurückzukehren. Dafür bräuchte es Visionen. Doch genau daran wird es am Ende scheitern. Unsere Regierungsverantwortlichen sind keine Visionäre. Dafür sind sie viel zu normal.

Lesen Sie auch die Quint-Essenz "Was Gemeine schaffen" oder "Vom Ersetzen in der Pandemie".

Die inflationäre Verwendung des Wortes „Normalität“ geht mir langsam, aber sicher auf die Nerven. Das Credo der vergangenen Monate war, dass wir uns an eine neue Normalität gewöhnen müssten. Nun heißt es, die alte Normalität würde doch wieder zurückkommen. Aber erst nächstes Jahr. Im Sommer.

Ich will weder eine neue noch eine alte Normalität. Ich will überhaupt keine Normalität. Das Wort Normalität ist im besten Fall langweilig. Vor allem aber ist es verdächtig. Normalität bedeutet, dass es eine Definition darüber gibt, was normal ist. Wer normal ist, fällt nicht auf, verhält sich so, wie es von ihm erwartet wird. Was genau ist so sexy daran?

Und was genau war an der alten Normalität normal? Dass wir tonnenweise Billigware aus Fernost importiert haben? Dass sich die EU auf keine menschengerechte Lösung in der Flüchtlingscausa einigen konnte? Dass im Minutentakt Flugzeuge über unsere Köpfe donnerten? Dass wir Kriege und hungernde Kinder hingenommen haben? Dass Typen wie Trump die USA regieren?

Derzeit hat man den Eindruck, wir müssten nur das Virus in den Griff kriegen, und schon wären wir zurück im Garten Eden. Glauben Kurz und Co. eigentlich selbst an ihre Heilsbekundungen? Oder halten sie ausschließlich zu PR-Zwecken an der Normalität fest?

Das Wort Neuanfang würde mir gefallen. Die Tatsache, dass die Welt aus den Fugen geraten ist, könnte eine Chance sein, eben nicht in die alte Normalität zurückzukehren. Dafür bräuchte es Visionen. Doch genau daran wird es am Ende scheitern. Unsere Regierungsverantwortlichen sind keine Visionäre. Dafür sind sie viel zu normal.

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