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Altmodischer Erneuerer, stiller und stetiger Arbeiter

Josef Pillhofer, einer der bedeutendsten Bildhauer Österreichs, ist am vergangenen Freitag 89-jährig in Wien verstorben. Seine künstlerische Laufbahn begann er an der Wiener Akademie der bildenden Künste, wo Fritz Wotruba sein Lehrer war. Im Zentrum seiner Arbeit stand immer die menschliche Figur – trotz allen Strebens nach formaler Reduktion.

Das Komplizierte zur möglichst reinen Form zu verdichten: Diesem Ideal galt lebenslang das Streben des Bildhauers Josef Pillhofer, der am vergangenen Freitag 89-jährig in Wien gestorben ist. Was Pillhofer damit gemeint hat, zeigt am besten seine letzte und gleichzeitig formatmäßig größte Arbeit, die seit rund zwei Jahren vor dem Museum des Sammlers Herbert W. Liaunig im kärntnerischen Neuhaus steht: Pillhofers sechs Meter hohe und acht Meter breite eiserne „Raumentfaltung“. Um das Erfassen des Wesentlichen abseits des vordergründig Wirklichkeitsnahen geht es hier genauso wie in seinen Kopfskulpturen, Stelen, aber auch Zeichnungen.

Der 1921 in eine vielseitig künstlerisch aktive Familie hineingeborene Josef Pillhofer besuchte die Grazer Kunstgewerbeschule, bevor er die Wiener Akademie der bildenden Künste bezog, wo der große Archaiker Fritz Wotruba sein Lehrer war. Das Talent des jungen Künstlers zur Abstraktion erkennend, forderte dieser ihn immer wieder auf, die kubistischen Arbeiten Pablo Picassos ganz genau zu studieren. Wotruba war es auch, der Pillhofer ein französisches Staatsstipendium für einen einjährigen Studienaufenthalt in Paris verschaffte. Nach drei Tagen in der „École des Beaux Arts“ übersiedelte Pillhofer allerdings in die Bildhauerklasse des Kubisten Ossip Zadkine an der „Académie de la Grande Chaumière“.

Giacometti, Celan, Bachmann

Dieses Parisjahr bezeichnete Pillhofer selbst als das wichtigste in seinem Leben. Hier lernte er für ihn so prägende Bildhauerkollegen wie Constantin Brancusi, Henri Laurens und Alberto Giacometti kennen, fand er die Freundschaft von Paul Celan und Ingeborg Bachmann. Und hier in Paris hatte er auch seine erste Einzelausstellung, deren Erfolg ihm Mut machte, den eingeschlagenen Weg weiterzugehen.

Von 1954 bis 1970 war Josef Pillhofer Lehrbeauftragter bzw. Assistent an der Wiener Akademie der bildenden Künste, bevor er (bis 1980) eine Meisterklasse für Bildhauerei an der Grazer Kunstgewerbeschule bzw. den Lehrstuhl für künstlerisches Gestalten an der TU Graz übernahm. Pillhofer war ein stiller und stetiger Arbeiter, dem das Ausstellen eher lästig war. Die im Wiener Künstlerhaus für kommenden Februar geplante große Pillhofer-Ausstellung wird nun leider zur Gedächtnisausstellung für einen Künstler, der trotz allen Strebens nach formaler Reduktion immer von der menschlichen Figur ausging. Um sie blockhaft archaisch zu komprimieren, mehr oder weniger assoziativ geometrisch zu verschlüsseln oder auch völlig realistisch abzubilden. In Bronze, Holz und Stein genauso wie in Eisen.

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