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Feuilleton

Ein Match macht Geschichte

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Clint Eastwood setzt in seinem neuen Film „Invictus“ Nelson Mandela ein unkonventionelles Denkmal – und lässt Morgan Freeman brillieren.

Es spielt keine Rolle, wie eng das Tor / wie beladen mit Strafen das Pergament / Ich bin der Meister meines Schicksals / Ich bin der Herr meiner Seele.

Eingekerkert auf der Gefängnisinsel Robben Island, schöpfte Nelson Mandela Kraft aus diesen Zeilen. Während seiner 27-jährigen Gefangenschaft rezitierte der südafrikanische Schwarzenführer und spätere Staatspräsident oftmals das Gedicht „Invictus“ („Unbezwungen“) des britischen Dichters William Ernest Henley. „Invictus – Unbezwungen“ ist auch der Titel der filmischen Hommage an den großen Staatsmann und Friedensnobelpreisträger, die diese Woche in die Kinos kommt.

Regisseur Clint Eastwood hat dem Wegbereiter des modernen Südafrika ein Denkmal gesetzt – aber nicht mit einer herkömmlichen Biografie. Vielmehr veranschaulicht er das ungeheure Charisma Mandelas, seine Weitsicht und seinen unbeugsamen Willen zur Versöhnung von Weißen und Schwarzen anhand eines scheinbar zweitrangigen Ereignisses: der Rugby-Weltmeisterschaft, die 1995 in Südafrika stattfand.

Die Südafrikanische Rugby-Nationalmannschaft, Springboks genannt, war ein Symbol der Apartheid. Rugby war der Sport der Weißen. Sofern sie sich überhaupt dafür interessierten, war es für Schwarze Ehrensache, immer den jeweiligen Gegner des Teams zu unterstützen. Von den 1970er Jahren an wurden die Springboks wegen der Rassentrennungspolitik des Landes international boykottiert. Als der African National Congress nach dem Wahlsieg von 1994 die Macht im Lande übernahm, planten die neuen schwarzen Sportfunktionäre, der verhassten Mannschaft einen neuen Namen und ein neues Trikot zu geben. Nelson Mandela verhinderte dies und sorgte im Hintergrund dafür, dass die Springboks schließlich zu einem Symbol des neuen Südafrika wurden. Als das Nationalteam völlig überraschend die Weltmeisterschaft gewann, jubelte das ganze Land, Schwarze wie Weiße.

Verkörpert wird Mandela von einem grandiosen Morgan Freeman, der in dieser Rolle derart überzeugend und präsent ist, dass man nach über zwei Stunden Schwierigkeiten hat, sich wieder an das Gesicht des echten Mandela zu gewöhnen. Freeman gilt aufgrund dieser Leistung auch als heißer Kandidat für den „Oscar“. Die Handlung setzt mit jenem Tag ein, an dem der erste schwarze Präsident Südafrikas seinen Amtssitz bezieht. Von der ersten Minute an steht die Versöhnung zwischen den verfeindeten Bevölkerungsgruppen bei Mandela an oberster Stelle.

Freund oder Feind?

Neben der alles überstrahlenden Figur des Nelson Mandela lässt Regisseur Eastwood die anderen Charaktere gezielt verblassen, selbst den Kapitän der Springboks, der immerhin von Matt Damon dargestellt wird. Allerdings stehen die Nebendarsteller immer wieder im Mittelpunkt exemplarischer Szenen, in denen die Schwierigkeiten des Annäherungsprozesses zwischen den verfeindeten Bevölkerungsgruppen auf den Punkt gebracht werden. Eine davon ist die Episode vom Tag der Amtseinführung: Des Präsidenten Chefleibwächter hat gerade sein Dienstzimmer bezogen, da betreten vier grimmig dreinblickende weiße Polizisten den Raum. „Bin ich jetzt verhaftet?“, fragt er erschrocken. „Nein, Sir. Wir sind Ihnen zugeteilt.“

Invictus - Unbezwungen

USA 2010. Regie: Clint Eastwood. Mit: Morgan Freeman, Matt Damon, Adjoa Andoh, Tony Kgoroge. Verleih: Warner Bros. 134 Min.