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Einen Jux will er sich machen

1945 1960 1980 2000 2020
1945 1960 1980 2000 2020

Der Attersee im Salzkammergut reicht bis zu 171 Meter in die Tiefe, was ihn zu einem Naturereignis macht. Der andere Attersee, Christian Ludwig, ist um Tiefgang nicht besonders besorgt. Das macht nichts, seine Kunst will gar nicht die Rätsel der Existenz antasten, ihm geht es, besonders in seinen jungen Jahren, um einen aufmüpfigen, widerspenstigen Zugang zur Welt. Das lässt sich jetzt gut in der Ausstellung "Attersee schön wie seine Bilder“ im Salzburger Rupertinum beobachten.

Die Kuratorin Margit Zuckriegl hat sich dafür einen bislang unbeachteten Zugang zum Werk des Künstlers gesucht. Nie zeigte sich Attersee interessiert am Fotografieren, dabei spielen Fotos eine entscheidende Rolle in seinem Werk. Er baut sie in seine Bilder ein, bearbeitet sie, fällt mit Pinsel und Farbe über sie her, um sie nach seinen ironischen Vorstellungen zu manipulieren. Die Fotografie regt den Strom seiner Gedanken an, und ist ihm Vorlage, aus der er alles Starre, Gesuchte, fragwürdig Geschönte vertreibt.

Ein junger Künstler als Popstar

In seinen jungen Jahren suchte er Aufnahmen, die gängige Klischees bedienten und machte sich darüber lustig. Bald ließ er sich selbst in Posen aufnehmen, die den schönen jungen Mann in seiner ganzen Pracht zeigten - Attersee der Popstar. Aber wie ernst ist ein Zyklus schon zu nehmen, der "Attersee der Schwindelprinz“ (1967) heißt. Gewiss gefällt sich der Künstler als junger Mann in diesen Aufnahmen, die ihm einen ästhetischen Glanz verleihen. Er käme nicht auf die Idee, diese zu verunstalten. Er will bewundert werden, gleichzeitig aber winkt er ab und behauptet, dass alles nur ein frivoles Spiel sei.

Die Arbeiten aus den sechziger Jahren sehen wir heute nicht nur als individuelle Leistungen, sondern mehr noch als Dokumente ihrer Zeit. Sie künden vom Geist des Aufbruchs, der leisen, manchmal etwas schrilleren Provokation, von der Lust, das bürgerliche Selbstbild auszuhebeln. In einem Plakat zu einer Ausstellung in der Galerie im Griechenbeisel bietet der Künstler seine Dienste an: "jeden Freitag zwischen 17 und 19 uhr pumpt ATTERSEE auf wunsch ihren dackel zu doppelter größe auf.“ Es ist nicht überliefert, wie groß die Nachfrage nach diesem Angebot war. Attersee der Schelm, der Narziss, der Triumphator, der Träumer, er präsentiert sich in wechselnden Rollen, um Festschreibungen zu entgehen.

Wer meint, sein fertiges Bild von Attersee schon zu haben, muss nach Besuch dieser Ausstellung noch einmal umdenken. Eine schöne Leistung eigentlich!

Der Attersee im Salzkammergut reicht bis zu 171 Meter in die Tiefe, was ihn zu einem Naturereignis macht. Der andere Attersee, Christian Ludwig, ist um Tiefgang nicht besonders besorgt. Das macht nichts, seine Kunst will gar nicht die Rätsel der Existenz antasten, ihm geht es, besonders in seinen jungen Jahren, um einen aufmüpfigen, widerspenstigen Zugang zur Welt. Das lässt sich jetzt gut in der Ausstellung "Attersee schön wie seine Bilder“ im Salzburger Rupertinum beobachten.

Die Kuratorin Margit Zuckriegl hat sich dafür einen bislang unbeachteten Zugang zum Werk des Künstlers gesucht. Nie zeigte sich Attersee interessiert am Fotografieren, dabei spielen Fotos eine entscheidende Rolle in seinem Werk. Er baut sie in seine Bilder ein, bearbeitet sie, fällt mit Pinsel und Farbe über sie her, um sie nach seinen ironischen Vorstellungen zu manipulieren. Die Fotografie regt den Strom seiner Gedanken an, und ist ihm Vorlage, aus der er alles Starre, Gesuchte, fragwürdig Geschönte vertreibt.

Ein junger Künstler als Popstar

In seinen jungen Jahren suchte er Aufnahmen, die gängige Klischees bedienten und machte sich darüber lustig. Bald ließ er sich selbst in Posen aufnehmen, die den schönen jungen Mann in seiner ganzen Pracht zeigten - Attersee der Popstar. Aber wie ernst ist ein Zyklus schon zu nehmen, der "Attersee der Schwindelprinz“ (1967) heißt. Gewiss gefällt sich der Künstler als junger Mann in diesen Aufnahmen, die ihm einen ästhetischen Glanz verleihen. Er käme nicht auf die Idee, diese zu verunstalten. Er will bewundert werden, gleichzeitig aber winkt er ab und behauptet, dass alles nur ein frivoles Spiel sei.

Die Arbeiten aus den sechziger Jahren sehen wir heute nicht nur als individuelle Leistungen, sondern mehr noch als Dokumente ihrer Zeit. Sie künden vom Geist des Aufbruchs, der leisen, manchmal etwas schrilleren Provokation, von der Lust, das bürgerliche Selbstbild auszuhebeln. In einem Plakat zu einer Ausstellung in der Galerie im Griechenbeisel bietet der Künstler seine Dienste an: "jeden Freitag zwischen 17 und 19 uhr pumpt ATTERSEE auf wunsch ihren dackel zu doppelter größe auf.“ Es ist nicht überliefert, wie groß die Nachfrage nach diesem Angebot war. Attersee der Schelm, der Narziss, der Triumphator, der Träumer, er präsentiert sich in wechselnden Rollen, um Festschreibungen zu entgehen.

Wer meint, sein fertiges Bild von Attersee schon zu haben, muss nach Besuch dieser Ausstellung noch einmal umdenken. Eine schöne Leistung eigentlich!