"Rosas Hochzeit" - Surreale Komödie

„Rosas Hochzeit“: "Heirate dich, meine Liebe!"

1945 1960 1980 2000 2020

Mit „Rosas Hochzeit“ ist der spanischen Regisseurin Icíar Bollaín eine herrlich surreale Komödie gelungen, welche die Vitalität des iberischen Kinos bezeugt.

1945 1960 1980 2000 2020

Mit „Rosas Hochzeit“ ist der spanischen Regisseurin Icíar Bollaín eine herrlich surreale Komödie gelungen, welche die Vitalität des iberischen Kinos bezeugt.

Bis in ihr 44. Lebensjahr spielt Rosa die Rolle, die ihr das Leben – genauer: ihre Familie – zugedacht hat: Sie ist die gute, treue, verständnisvolle und immer sorgende gute Seele, die es in vielen (Groß-) Familien gibt. Nicht nur, dass sie als Kostümbildnerin all ihre Kräfte verausgabt. Sondern sie ist die Schulter, an der sich Schwester Violeta, die ein veritables Alkoholproblem hat, ausweint. Ihr Bruder Armando muss gerade das Scheitern seiner Ehe verkraften – selbstredend, dass Rosa sich um dessen Töchter kümmert. Dazu hat sie selber eine Tochter, die sie allein großgezogen hat, Lidia, die mit Rosas Enkelinnen aber in England lebt und um die sich Rosa via Skype oder ähnlichen Kommunikationsprogrammen kümmert. Sogar die Katze der Freundin betreut sie, wenn die auf Urlaub geht ... Als aber Rosas Vater, der den Tod seiner Frau emotional und psychisch noch nicht verarbeitet hat, bei Rosa auftaucht und ihr eröffnet, er gedenke fürderhin bei der Tochter zu wohnen, weiß Rosa: Nun ist der Moment einer Entscheidung gekommen. Und sie beschließt – zu heiraten. Allerdings keinen Mann, auch nicht eine Frau. Sondern Rosa will an ihrem 45. Geburtstag sich selbst heiraten – sprich, sich selbst öffentlich das Versprechen geben, sich treu zu sein und auf sich zu achten. Lauter Dinge, die Rosa bislang nicht wirklich befolgt hat.

Bis in ihr 44. Lebensjahr spielt Rosa die Rolle, die ihr das Leben – genauer: ihre Familie – zugedacht hat: Sie ist die gute, treue, verständnisvolle und immer sorgende gute Seele, die es in vielen (Groß-) Familien gibt. Nicht nur, dass sie als Kostümbildnerin all ihre Kräfte verausgabt. Sondern sie ist die Schulter, an der sich Schwester Violeta, die ein veritables Alkoholproblem hat, ausweint. Ihr Bruder Armando muss gerade das Scheitern seiner Ehe verkraften – selbstredend, dass Rosa sich um dessen Töchter kümmert. Dazu hat sie selber eine Tochter, die sie allein großgezogen hat, Lidia, die mit Rosas Enkelinnen aber in England lebt und um die sich Rosa via Skype oder ähnlichen Kommunikationsprogrammen kümmert. Sogar die Katze der Freundin betreut sie, wenn die auf Urlaub geht ... Als aber Rosas Vater, der den Tod seiner Frau emotional und psychisch noch nicht verarbeitet hat, bei Rosa auftaucht und ihr eröffnet, er gedenke fürderhin bei der Tochter zu wohnen, weiß Rosa: Nun ist der Moment einer Entscheidung gekommen. Und sie beschließt – zu heiraten. Allerdings keinen Mann, auch nicht eine Frau. Sondern Rosa will an ihrem 45. Geburtstag sich selbst heiraten – sprich, sich selbst öffentlich das Versprechen geben, sich treu zu sein und auf sich zu achten. Lauter Dinge, die Rosa bislang nicht wirklich befolgt hat.

Rosa will an ihrem 45. Geburtstag sich selbst heiraten – sprich sich selbst öffentlich das Versprechen geben, sich treu zu sein und auf sich zu achten.

Das alles soll im Badeort Benicassim vonstatten gehen, wo Rosa aufgewachsen ist, und wo sich noch die Änderungsschneiderei ihrer Mutter befindet, die Rosa wieder reaktivieren will. Doch Bruder Armando will die Schneiderei verkaufen, und Tochter Lidia kehrt mit ihren Zwillingen überraschend aus Manchester zurück und will bei ihrer Mutter in Valencia leben ... All das scheint mit den Hochzeitsplänen Rosas inkompatibel, obwohl Armando ihr – nicht ahnend, dass es keinen Mann zum Heiraten gibt – der Schwester eine standesgemäße Trauungsfeier ausrichten will ...

Rosas Hochzeit - Poly Film

Poly Film

Pralles wie kompliziertes Leben

Eine Frau am Rand des Nervenzusammenbruchs porträtiert Icíar Bollaín da in ihrem neuen Film. Starke Persönlichkeiten haben die spanische Regisseurin seit jeher interessiert – etwa in „El Olivo“ (2016), wo eine Spanierin einen alten nach Deutschland verkauften Olivenbaum nach Spanien zurückholen lässt, um ihrem Großvater das Überleben im Alter zu ermöglichen.https://www.furche.at/feuilleton/film/el-olivo-neuer-anfang-nach-der-entwurzelung-1172263 Für „Rosas Hochzeit“ kombiniert die Regisseurin eine solche Figur mit einem surrealen Setting – im Filmland von Luis Buñuel bis Pedro Almodóvar ist das kein außergewöhnlicher Kunstgriff. Aber das ebenso pralle wie komplizierte Leben aller Beteiligten braucht einen Ruhepol, um den sich vieles drehen kann. Bislang war dies Rosa, aber die muss für sich Entscheidungen treffen und sich die Freiheit des eigenen Ichs erkämpfen. Dass das mit einer Hochzeit geradezu metaphorisch überhöht darzustellen ist, verwundert wenig. Es ist gleichzeitig ein feministischer wie ein psychologischer Ansatz, welchem Regisseurin Bollaín in ihrem neuen Film frönt: Denn das Glück einer Familie kann nur gedeihen, wenn es Grenzen und Rückzugsorte gibt. Und genau das beginnt Rosa zu lernen und einzufordern. Die Idee dieses Plots und die Regieeinfälle sind das eine. Icíar Bollaín hat aber auch das passende Ensemble zur Hand, um die surreale Geschichte glaubwürdig zu erzählen. Allen voran ist Candela Peñas Darstellung der Rosa, das Changieren zwischen verhärmter grauer Maus, Defacto-Familienoberhaupt sowie personifizierter Menschlichkeit ein Vergnügen, das allein den Besuch dieses Films lohnt. Aber auch die überspannte Alkoholikerin, die von Nathalie Poza gespielt wird, steht ihr wenig nach. Und Bruder Armando, dieser Schlemihl von einem Menschen, wird von Sergi López perfekt verkörpert. Ein Lebenszeichen des spanischen Kinos. Einmal mehr wird klar, dass Zugänge zu Menschen und Leben wie in „Rosas Hochzeit“ gerade im iberischen Kino perfekt gedeihen können.

Rosas Hochzeit (La bopda de Rosa)

Regie: Icíar Bollaín.

Mit Candela Peña, Sergi López, Nathalie Poza, Ramón Barea, Paula Usero.

Polyfilm. 100 Min.

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