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Frauenpower zu Saisonbeginn

Es gibt sie noch, Mut und Risikolust, Eigenschaften, die in der Politik verkümmert sind und ohne die gutes Theater nicht entstehen kann. Zu Saisonbeginn sind es die Prinzipalinnen der beiden größten Theater in Wien, die über diese Eigenschaften verfügen: Burgchefin Karin Bergmann, die das durch das Management der Herren Hartmann und Springer in die Krise geratene Bundestheater auf Erfolgskurs brachte, und Anna Badora, die das seit Jahrzehnten in baulich desaströsem Zustand und künstlerischem Dornröschenschlaf befindliche Volkstheater zu neuem Leben erwecken will.

Die rührige Theatermacherin startet mit neuem Ensemble spezifisch auf Wien ausgerichtetem Spielplan, mit der Dramatisierung des Romans "Fasching" von Gerhard Fritsch. Mit "Hakoah Wien" kommt Yael Ronens Grazer Erfolgsproduktion endlich an den Ort ihres Ursprungs zurück. Von der keineswegs rosigen finanziellen Situation des Theaters, das bisher nur von der Stadt eine befristete Subventionserhöhung bekam, lässt sich Badora nicht beirren. Auch den Vorhaben von Bergmann, unter deren Leitung das Burgtheater von der renommierten Zeitschrift Theater heute als "Theater des Jahres" ausgezeichnet wurde, merkt man den Sparzwang nicht an. Auch sie startet im Akademietheater mit einer Dramatisierung eines österreichischen Romanes -in "Der Engel des Vergessens" von Maja Haderlap ist auch im Frieden die Vergangenheit des Krieges und der bedrohten slowenischen Minderheit allgegenwärtig. In der Burg inszeniert der lettische Starregisseur Alvis Hermanis Gogols Klassiker "Der Revisor", nicht als Korruptionsspektakel sondern als "surreales Gemälde einer kafkaesken Welt". Bergmann und Badora gehen neue Wege. Von der satten Selbstzufriedenheit so mancher ihrer männlichen Kollegen ist bei ihnen nichts zu spüren.

Der Autor ist Kulturmoderator beim Privatsender ATV

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