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Info-Burger und Mehrwert

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Etwa 80.000 unbezahlte Blogger bescheren der Huffington Post 120 Millionen User. 2011 waren das weniger, doch brachten sie Ariana Huffington schon damals 315 Millionen US-Dollar für den Verkauf der Internet-Zeitung an Online-Pionier AOL. Ihr Start-Up von 2005 gilt als Musterbeispiel fürs digitale Mediengeschäft, stellt mittlerweile Journalisten an und hat auch einen Pulitzer-Preis gewonnen.

Also sprach die Ikone der Weblogs, es gehe dabei mehr um Weisheit und Kreativität und weniger um Information, denn: "Selbstdarstellung ist die neue Unterhaltung". Weisheit und Kreativität der Huffington Post beruhen allerdings großteils darauf, dass die Autoren auf Informationen in anderen Medien verweisen. Diese Art von Selbstdarstellung ist keine neue Unterhaltung, sondern bestenfalls eine Aufbereitung mit seriöser Zitierung, aber allzu oft auch kaum getarnter geistiger Diebstahl. - In diesem Zusammenhang wirkt es durchaus bezeichnend, dass Ariana Huffington auf Einladung der Telekom Austria in Wien gesprochen hat. Denn neben Marketing-Verantwortlichen üben sich seit bald zwanzig Jahren vor allem Netz-Techniker als Totengräber von Preis und Wert der Inhalte. Seitdem das auch hierzulande Content heißt, wird er ungeachtet der jeweiligen Qualität verschenkt.

Das ist eine viel radikalere Entwicklung als bei der Ernährung. Auch minderwertiges Fastfood kostet. Der Preis gilt vor allem dem Inhalt, weniger der Verpackung oder dem Transporteur. Wie beim Essen im Haubenlokal, das niemand für einen Würstelstand hält. Dass diese Unterscheidungsfähigkeit bei Information unterentwickelt ist, liegt an einer Fehlentwicklung der Branche, die jahrzehntelang vom Info-Burger bis zur Kommentar-Haute-Cuisine immer noch mehr gratis angeboten hat. Die aktuellen Kehrtwendungsversuche zum zahl- und zählbaren Mehrwert von Nachrichtenqualität sind überfällig.

Der Autor ist Medienberater und Politikanalyst