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Kein Ersatz für die Religionsbücher

700.000 Exemplare des YouCat werden allein beim Weltjugendtag 2011 verteilt. Anmerkungen eines Religionspädagogen zum neuen Jugendkatechismus.

Am Fest Maria Verkündigung 2011 hat YouCat in Wien das Licht der Öffentlichkeit erblickt. 300 Seiten stark ist der "Jugendkatechismus der Katholischen Kirche“, in gelber Farbe verpackt und mit vielen Bildern.

Die katholische Kirche hat seit 1504, als in Lissabon das erste Werk dieses Namens erschien, viele Katechismen und die damit verbundenen Diskussionen erlebt. Und es ist legitim, stets neue Versuche zu wagen. Von daher verdient auch YouCat Respekt - auch für die Entscheidung, christlichen Glauben gerade für Jugendliche kommunikabel zu machen.

Wir haben die Texte des Jugendkatechismus analysiert und verschiedene Verständlichkeitsindexe der Publizistik angewendet. Das Ergebnis: Die Texte sind meist durchschnittlich bis leicht schwer verständlich. Auf Altersgruppe und Bildungsstand bezogen bedeutet dies jedenfalls, ihn nicht vor der 7. Klasse AHS einzusetzen.

Sehr komplexe Inhalte

Die Verständlichkeit lässt sich formal prüfen, das tiefere Verstehen des Textes hängt jedoch vom Inhalt ab. Und hier bleiben komplexe Themen sehr schwer zugänglich. Über weite Teile müssen die Leser/innen schon eine entsprechende philosophische und theologische Sprache mitbringen, um einen Zugang zu den verwendeten Begriffen zu erhalten.

YouCat ist ein Auswahlkatechismus, dessen fehlende Vollständigkeit im Impressum bedauert wird, aber der letztlich doch dem Prinzip der Hierarchie der Wahrheiten Rechnung trägt. Es wird versucht, dieses Prinzip auf das Ganze des Glaubens und im Blick auf die Zielgruppe hin zu realisieren.

Im Vorwort fordert Benedikt XVI. die Jugendlichen auf, den Katechismus zu studieren und regt an, dies auch zu zweit und in Lerngruppen zu tun. Genau genommen ist dies eine Aufforderung zur Auseinandersetzung. Wer YouCat als Mittel der Indoktrinierung verwendet, kann sich nicht auf dieses päpstliche Geleitwort berufen.

Die Buchgattung "Katechismus“ ist in der Kirche entstanden, noch vor Einführung des Religionsunterrichts. Die Zielgruppe des Katechismus waren jene, die in den Glauben eingeführt werden oder ihn selbst vertiefen wollten. Religionsunterricht als Katechismusunterricht gab es bereits im historischen "Lebendversuch“. Dies führte zur Isolierung des Faches Religion im Ganzen der Schule und trug zu seiner geringen Lebensrelevanz bei. Wenn YouCat eine Bedeutung in der Schule haben soll, dann nicht als Ersatz von Religionsbüchern. Als Ergänzung wäre er denkbar, wie ja auch der Atlas das Geografiebuch nicht ersetzt. Wenn - wie angekündigt - eine große Internetpräsenz kommt, verbunden mit entsprechenden Verlinkungen zu den Quellen, wäre sogar eine Servicefunktion gegeben.

Der methodische Ansatz von Frage/Antwort ist den Verantwortlichen ein Bedürfnis und wird sicher Leser/innen finden, die dies bevorzugen. Es hat aber zur Folge, dass im Buch letztlich zu keiner gestellten Frage hingeführt und keine neue Frage eröffnet wird, die eine weiterführende Auseinandersetzung anregen könnte.

Jede Frage wird mit einem kirchenamtlichen Text beantwortet, gefolgt von Erläuterungen. Bei diesen sind bemerkenswerte Formulierungen zu finden wie: "Die Trennungen von der einen Kirche Christi entstanden wegen Verfälschungen der Lehre Christi, menschlicher Verfehlungen und mangelnder Versöhnungsbereitschaft - meist bei Vertretern beider Seiten.“ Da YouCat ein kirchenoffizielles Buch ist, machen solche Passagen, die eine Mitschuld festhalten, Vergebungsbitten glaubwürdiger. Oder: "Sollte ein Staat etwa rassistische, sexistische oder lebenzerstörende Regeln aufstellen und Maßnahmen treffen, so ist ein Christ im Gewissen verpflichtet, den Gehorsam zu verweigern …“ Ein neuer Stil kommt auch zum Ausdruck, wenn es beim Thema vorehelicher Sex heißt: "Weil die Liebe so groß, so heilig und so einmalig ist, bittet die Kirche junge Menschen eindringlich …“

Kein Mittel zur Polarisierung

Wenn YouCat eingesetzt wird als Mittel zur Polarisierung ("Wer gläubig ist, verwendet YouCat!“) wird dessen Verbreitung begrenzt und dem Anliegen, bessere Möglichkeiten zu schaffen, mit Christwerden vertraut zu werden, Schaden zugefügt. Übersetzungen in 15 Sprachen sind in Vorbereitung. Wie aber ein - so die Initiatoren - in deutschen "Reli-Camps“ mit Jugendlichen entstandener Text chinesische Jugendliche in gleicher Weise ansprechen soll, ist zumindest eine Frage.

Übrigens, YouCat bedeutet nicht, was es heißt, und ist auch keine Abkürzung für youth catechism, sondern für youth catholic.

* Der Autor ist Dekan der Kath.-Theol. Fakultät der Uni Wien

YouCat Jugendkatechismus der Katholischen Kirche

Mit einem Vorwort von Papst Benedikt XVI.

Pattloch Verlag 2011. 303 Seiten. zahlr. Farbfotos,

geb., e 13,40

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