
Seit 2002 wird der Index zur Pressefreiheit von Reporter ohne Grenzen (ROG bzw. RSF) auf der ganzen Welt gemessen. Der aktuelle Bericht stellt der globalen Pressefreiheit ein schlechtes Zeugnis aus: Im Jahr 2026 befinden sich mehr als die Hälfte aller Länder weltweit (52,2 %) in einer „schwierigen“ oder „sehr ernsten“ Lage – im Jahr 2002 waren es 13,7 %.
Während 2002 noch 20 % der Weltbevölkerung in einem Land mit „guter“ Pressefreiheit lebten, haben dieses Privileg heute weniger als ein Prozent der Weltbevölkerung. Journalistinnen und Journalisten werden aufgrund ihrer Arbeit getötet, inhaftiert oder drangsaliert. Insgesamt ist die Branche ökonomisch stark unter Druck und populistische Rhetorik greift die Arbeit von Journalistinnen und Journalisten zunehmend an.
Von den insgesamt 180 bewerteten Ländern verzeichnet Syrien seit dem Sturz des Assad-Regimes den größten Aufstieg um 36 Ränge auf Platz 141. Stabil auf dem ersten Platz ist seit zehn Jahren Norwegen. Eritrea besetzt seit drei Jahren den letzten Platz.
Im Namen der Terrorismusbekämpfung wird die freie Berichterstattung von Themen im öffentlichen Interesse unterbunden und Gesetze werden gegen Medienschaffende eingesetzt.
Kriminalisierung des Journalismus
Das schlechte Ergebnis zur Pressefreiheit lässt sich vor allem mit der zunehmenden Kriminalisierung journalistischer Arbeit erklären, die mit nationaler Sicherheitspolitik argumentiert wird – was zuvor überwiegend in autoritären Staaten praktiziert wurde, ist mittlerweile auch schon in demokratischen Ländern angekommen.
Im Namen der Terrorismusbekämpfung wird die freie Berichterstattung von Themen im öffentlichen Interesse unterbunden und Gesetze werden gegen Medienschaffende eingesetzt. Russlands Präsident Wladimir Putin hat mithilfe von Gesetzen gegen Terrorismus und Extremismus den Kampf gegen die freie Presse in Russland perfektioniert.
Auch anhaltende Kriege wie im Sudan, Irak und Jemen, sowie neu begonnene Kriege erklären den globalen Missstand. Allein in Gaza wurden seit Oktober 2023 mehr als 220 Journalisten von der israelischen Armee getötet. Der Iran befindet sich aufgrund des unterdrückerischen Regimes und des Krieges im Ranking im untersten Bereich.
Auch autoritäre Regierungen wie in China, Nordkorea oder Eritrea tragen unverändert zu einem schlechten Pressefreiheitsindex bei. Osteuropa und der Nahe Osten sind die gefährlichsten Regionen für Medienschaffende. Seit 2022 gesellen sich aber auch zahlreiche amerikanische Länder zu diesen Regionen.
Die gesetzlichen Rahmenbedingungen zum Schutz von Medienschaffenden, etwa bei Bedrohungen und Einschüchterungsversuchen, fallen in Österreich positiv auf.
Amerika sinkt rasant ab
Der amerikanische Kontinent sinkt in puncto Pressefreiheit rasant ab, was neben der Gewalt aufgrund des organisierten Verbrechens auch mit den regelmäßigen Angriffen Donald Trumps auf freie Medien zu erklären ist. Die Vereinigten Staaten sind um sieben Ränge auf Platz 64 zurückgefallen.
Die Sicherheitslage ist aufgrund polizeilicher Repressionen bedroht; nicht zuletzt die Inhaftierung und Abschiebung des salvadorianischen Journalisten Mario Guevara ist beispielhaft für diese repressive Politik. Autoritäre Regime in Lateinamerika machen es dem US-Präsidenten nach und steigen im Pressefreiheitsindex ebenso ab, vor allem Argentinien und El Salvador.
Österreich im Aufwind: Kein Grund zum Ausruhen
Ein kleines Aufatmen gibt es für die Lage in Österreich. Mit Platz 19 verzeichnet die Pressefreiheit hierzulande einen anhaltenden Aufwärtstrend. Der Generalsekretär von Reporter ohne Grenzen Österreich, Martin Wassermair, verweist auf eine bessere gesellschaftliche Wahrnehmung von journalistischer Arbeit, die in der Vergangenheit wegen Korruption und Machtmissbrauch gelitten hatte.
Die gesetzlichen Rahmenbedingungen zum Schutz von Medienschaffenden, etwa bei Bedrohungen und Einschüchterungsversuchen, fallen in Österreich positiv auf. Das am 1. September 2025 in Kraft getretene Informationsfreiheitsgesetz erleichtert zudem die investigative Arbeit.
Für Wassermair heißt das aber nicht, es sich jetzt bequem zu machen: Denn „Demokratie und Pressefreiheit“ sind weltweit „enormen Bedrohungen ausgesetzt“. Auch ROG-Präsident Fritz Hausjell weist auf die fragile Situation der österreichischen Medienlandschaft hin.
Vor knapp einem Jahr stand noch eine blau-schwarze Koalition in Aussicht, die den öffentlich-rechtlichen Rundfunk massiv eingeschränkt hätte. Platz 19 ist jedenfalls ein Ansporn für Hausjell, „in den kommenden RSF-Rankings zumindest in die Top 10 aufzusteigen“.

