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Feuilleton

Medienkritik benötigt auch Lob

1945 1960 1980 2000 2020
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Letztlich sind wir Erfüllungsgehilfen. Was Hans Dichand sich leitartikelnd wünscht, könnten wir je nach Skurrilität durchaus ignorieren. Wer diese Taktik gegenüber der Krone anwendet, gilt aber als demokratiepolitisch naiv oder als Krähe, die der anderen kein Auge aushackt. Halten wir empört dagegen, multiplizieren wir jeden Rülpser aus dem weltgrößten Kleinformat. Diesem hilflosen Pingpong von Gut und Böse in Politik und Medien vermag sich auch jener nicht zu entziehen, der es kritisiert. Der Branchenreflex zur Selbstdiskussion ist anlassbezogen. Die Dauerthematisierung des Verhältnisses von Politik und Medienmacht kommt zu kurz. Sie beschränkt sich weitgehend auf ORF und Krone. Alle fürchten den HPM-Effekt. Hans-Peter Martin bekam bei der Europawahl 17,7 Prozent. Drei Monate davor lag er noch im Nichts. 30 Prozent der Krone-Leser haben ihn gewählt, 70 Prozent seiner Wähler sind Krone-Leser (laut GfK). Das Blatt hat HPM gemacht.

Dennoch ist Nichtmachen kein Allheilmittel für eine starke Zeitung. Der reale Grat zwischen Machtmissbrauch und Kontrollfunktion verläuft schmaler als in der Theorie. Ein Beispiel dafür liefert Kärnten. Dort haben sich alle Landtagsparteien – BZÖ, SPÖ, ÖVP, Grüne – in einer Nacht-und-Nebel-Aktion schamlos ihre Förderungen drastisch erhöht. Dagegen kämpft die Kleine Zeitung seit Wochen vergeblich mit journalistischen Mitteln an. Jetzt betreibt sie via Internet eine Unterschriftenliste gegen die Selbstbedienung der Politik. Das geht weit über den traditionellen Status eines Mediums hinaus. Doch der Kurier rechtfertigt die Kleine – sie sei „im wilden Süden die einzig funktionierende Kontrollinstanz“. Medienkritik durch Mitbewerber funktioniert langfristig nur über Thematisierung von vorbildlichen Aktionen der Konkurrenz. Wer ausschließlich schilt, schadet bloß der gesamten Branche. Um Schlechtes zu erkennen, benötigen wir Beispiele des Guten.

* Der Autor ist Medienberater und Politikanalyst

Letztlich sind wir Erfüllungsgehilfen. Was Hans Dichand sich leitartikelnd wünscht, könnten wir je nach Skurrilität durchaus ignorieren. Wer diese Taktik gegenüber der Krone anwendet, gilt aber als demokratiepolitisch naiv oder als Krähe, die der anderen kein Auge aushackt. Halten wir empört dagegen, multiplizieren wir jeden Rülpser aus dem weltgrößten Kleinformat. Diesem hilflosen Pingpong von Gut und Böse in Politik und Medien vermag sich auch jener nicht zu entziehen, der es kritisiert. Der Branchenreflex zur Selbstdiskussion ist anlassbezogen. Die Dauerthematisierung des Verhältnisses von Politik und Medienmacht kommt zu kurz. Sie beschränkt sich weitgehend auf ORF und Krone. Alle fürchten den HPM-Effekt. Hans-Peter Martin bekam bei der Europawahl 17,7 Prozent. Drei Monate davor lag er noch im Nichts. 30 Prozent der Krone-Leser haben ihn gewählt, 70 Prozent seiner Wähler sind Krone-Leser (laut GfK). Das Blatt hat HPM gemacht.

Dennoch ist Nichtmachen kein Allheilmittel für eine starke Zeitung. Der reale Grat zwischen Machtmissbrauch und Kontrollfunktion verläuft schmaler als in der Theorie. Ein Beispiel dafür liefert Kärnten. Dort haben sich alle Landtagsparteien – BZÖ, SPÖ, ÖVP, Grüne – in einer Nacht-und-Nebel-Aktion schamlos ihre Förderungen drastisch erhöht. Dagegen kämpft die Kleine Zeitung seit Wochen vergeblich mit journalistischen Mitteln an. Jetzt betreibt sie via Internet eine Unterschriftenliste gegen die Selbstbedienung der Politik. Das geht weit über den traditionellen Status eines Mediums hinaus. Doch der Kurier rechtfertigt die Kleine – sie sei „im wilden Süden die einzig funktionierende Kontrollinstanz“. Medienkritik durch Mitbewerber funktioniert langfristig nur über Thematisierung von vorbildlichen Aktionen der Konkurrenz. Wer ausschließlich schilt, schadet bloß der gesamten Branche. Um Schlechtes zu erkennen, benötigen wir Beispiele des Guten.

* Der Autor ist Medienberater und Politikanalyst