Die Trapp-Familie ist durch den Film und das Musical "Sound of Music" in Amerika und in weiten Teilen Asiens Symbol für Österreich. Bei uns wird das Werk meist als sentimentaler Kitsch abgeurteilt. In Salzburg, wo sich die "Sound Of Music"-Tours seit 1967 bei Ausländern großer Beliebtheit erfreuen, wurde es erst vor zwei Jahren im Landestheater zum ersten Mal gespielt und ist seither ein Dauerbrenner. Entdeckt wurde die berühmte singende Familie übrigens von Opernsängerin Lotte Lehmann.

Die Villa Trapp kennt heute kaum jemand. Erst vor fünf Jahren wurden den Pächtern der Hotelbetrieb und kleine Führungen gestattet. Dabei ist das Gebäude durchaus geschichtsträchtig. Es war Wohnort des altösterreichischen Baron von Trapp, der aus seiner Verachtung der Nazis nie ein Hehl machte, mit seiner Familie in die Vereinigten Staaten emigrieren musste und nach dem Krieg die hungernde Salzburger Bevölkerung unterstützte. Es wurde aber auch zum Domizil von SS-Führer Heinrich Himmler, dem Erfinder des Holocaust. Der Verbrecher, der Hitlers Nachfolge antreten wollte, beschäftigte in der Villa Kriegsgefangene für einen Mauerbau, die er nach getaner Arbeit ebenso erschießen ließ wie die aus dem KZ herbeigeschafften Astrologen, die ihm nicht das gewünschte Horoskop lieferten.

Der Bunker, der als Fluchtweg zum Bahnhof gedacht war, erinnert heute noch an diese Zeit, aus der noch vieles aufklärungsbedürftig ist. Etwa was mit dem in der Villa versteckten Raubgut geschehen ist, das beim Eintreffen der amerikanischen Besatzer nicht mehr aufgefunden wurde. Vor allem aber wollten die Pächter in einem öffentlichen Projekt die Vergangenheit aufarbeiten. Das wurde ihnen von der Politik bisher nicht gestattet. Die Anrainer, heißt es, wollen ihre Ruhe. Ihr Schlaf könnte bei so viel Verdrängung durch Albträume gestört werden.

Der Autor ist Kulturmoderator beim Privatsender ATV II

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