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Feuilleton

Spielregeln im Wilden Westen

1945 1960 1980 2000 2020
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Ein deutsches Buch hatte entweder DM 29,90 oder 39,90 oder 49,90 zu kosten. Wie es der Umrechnungsteufel will, werden jetzt aus den notorischen Knapp-unter-Preisen der deutschen Verlage lauter Euro-Preise knapp über dem runden Betrag. Wir Österreicher haben es besser: Die DM-Umrechnung des Buchhandels ließ für die deutschen Bücher sowieso keine runden Preise zu, und die österreichischen Verlage gruben den deutschen mit runden Preisen auch kein Wasser ab. In Deutschland aber lautet die bange Frage: Soll man auf 20 oder 30 oder 40 Pfennig verzichten, um die Buchpreise wieder unter die angeblich kaufhemmenden runden Summen zu drücken?

Kurt Tucholsky stellte einst die Forderung "Macht unsere Bücher billiger!" an seinen Verleger Harry Rowohlt. Noch dazu dreimal wiederholt vor dem Titelblatt eines Romans. Aber ist sie auch im Pfennigbereich sinnvoll? Wirkt sich der Knapp-unter-Preis tatsächlich auf den Verkauf eines Buches aus? Die Buchpreise beschäftigten, wie man sieht, auch einen schon zu seiner Zeit sehr erfolgreichen Autor, wenn er auch angesichts der Auflagen eines Franz Werfel oder Thomas Mann oder Erich Maria Remarque nur neidvoll erblassen konnte. Sie alle teilten freilich, Remarque vielleicht ausgenommen, das traurige Schicksal, zu Lebzeiten nur einen Bruchteil dessen zu verdienen, was dann ihren Erben in den Schoß fiel.

Heute erleben wir, wie sich die Schere zwischen einer schmalen Schicht von Bestsellern und immer mehr Büchern, mit denen weder die Autoren noch die Verlage fett werden, immer weiter öffnet. Was immer mehr Firmen, die sich auch Verlage nennen, auf die Idee brachte, hoffnungsvolle Autoren in spe zur Kasse zu bitten. Deren Druckkostenbeiträge, Book-on-demand-Spesen und so weiter bringen immer mehr Geld in die Kassen, die in den Buchhandlungen für diese Firmen nicht klingeln. In dieser Branche ist nun Feuer am Dach. Nicht durch die Euro-Umrechnung, sondern durch Gesetze, die derzeit in Deutschland konzipiert werden. Sie sollen das Urheberrecht durch ein Urhebervertragsrecht ergänzen, das Mindeststandards setzt, die auch nach Vertragsabschluss einklagbar sind. Auch im Wilden Westen braucht man Spielregeln. Oder gerade im Wilden Westen.

Ein deutsches Buch hatte entweder DM 29,90 oder 39,90 oder 49,90 zu kosten. Wie es der Umrechnungsteufel will, werden jetzt aus den notorischen Knapp-unter-Preisen der deutschen Verlage lauter Euro-Preise knapp über dem runden Betrag. Wir Österreicher haben es besser: Die DM-Umrechnung des Buchhandels ließ für die deutschen Bücher sowieso keine runden Preise zu, und die österreichischen Verlage gruben den deutschen mit runden Preisen auch kein Wasser ab. In Deutschland aber lautet die bange Frage: Soll man auf 20 oder 30 oder 40 Pfennig verzichten, um die Buchpreise wieder unter die angeblich kaufhemmenden runden Summen zu drücken?

Kurt Tucholsky stellte einst die Forderung "Macht unsere Bücher billiger!" an seinen Verleger Harry Rowohlt. Noch dazu dreimal wiederholt vor dem Titelblatt eines Romans. Aber ist sie auch im Pfennigbereich sinnvoll? Wirkt sich der Knapp-unter-Preis tatsächlich auf den Verkauf eines Buches aus? Die Buchpreise beschäftigten, wie man sieht, auch einen schon zu seiner Zeit sehr erfolgreichen Autor, wenn er auch angesichts der Auflagen eines Franz Werfel oder Thomas Mann oder Erich Maria Remarque nur neidvoll erblassen konnte. Sie alle teilten freilich, Remarque vielleicht ausgenommen, das traurige Schicksal, zu Lebzeiten nur einen Bruchteil dessen zu verdienen, was dann ihren Erben in den Schoß fiel.

Heute erleben wir, wie sich die Schere zwischen einer schmalen Schicht von Bestsellern und immer mehr Büchern, mit denen weder die Autoren noch die Verlage fett werden, immer weiter öffnet. Was immer mehr Firmen, die sich auch Verlage nennen, auf die Idee brachte, hoffnungsvolle Autoren in spe zur Kasse zu bitten. Deren Druckkostenbeiträge, Book-on-demand-Spesen und so weiter bringen immer mehr Geld in die Kassen, die in den Buchhandlungen für diese Firmen nicht klingeln. In dieser Branche ist nun Feuer am Dach. Nicht durch die Euro-Umrechnung, sondern durch Gesetze, die derzeit in Deutschland konzipiert werden. Sie sollen das Urheberrecht durch ein Urhebervertragsrecht ergänzen, das Mindeststandards setzt, die auch nach Vertragsabschluss einklagbar sind. Auch im Wilden Westen braucht man Spielregeln. Oder gerade im Wilden Westen.