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„Wichtigster Intellektueller der Gegenwart“

Über die Verantwortlichkeit der Intellektuellen ist – rechtzeitig zum 80. Geburtstag, den er am 7. Dezember begangen hat – ein Sammelband aus seinen Schriften erschienen. Noam Chomsky selber hat seine intellektuelle Verantwortung zeitlebens wahrgenommen: Als beißender Kritiker seines Landes und dessen Gesellschaftpolitik ist er ebenso bekannt geworden wie als Galionsfigur der Anti-Globalisierungs-Bewegung.

Chomskys „Brotberuf“ ist der des Linguisten: Auch in seiner Wissenschaft rührte er mit der Theorie der Sprachfähigkeit jedes Menschen an altbewährten Prämissen. Der Sprachwissenschafter etablierte sich aber auch als Kritiker des allgegenwärtigen Sprachüberflusses der Medien.

Diesbezügliches Schlüsselwerk ist Chomskys Analyse „Media Control“ (2003). Dort brandmarkt er unter anderem den Sturz des Saddam-Regimes durch US-Truppen als Resultat einer gigantischen Desinformationsmaschinerie, an der sich auch Schlachtrösser wie die Washington Post (man erinnert sich: das Blatt, das den Watergate-Skandal aufdeckte) oder die New York Times beteiligten.

Treppenwitz: Auch der Medienkritiker war schon Opfer der von ihm gescholtenen Mechanismen: Zu seinem 80er wurde auch in den österreichischen Zeitungen ein „Zitat aus der New York Times“ bemüht, nach dem Chomsky der „wichtigste Intellektuelle der Gegenwart“ sei. Abgesehen vom Lapsus, dass sich Obiges nicht in der New York Times, sondern in der New York Times Book Review fand, hat Chomsky selbst das Ganze einmal ins richtige Licht gerückt: „Das Zitat wurde von einem Verlagshaus veröffentlicht. Doch da sollte man immer sehr genau lesen: Wenn man nämlich das Original nachschaut, dann heißt es weiter: ‚wenn dies der Fall ist, wie kann er dann solchen Unsinn über die amerikanische Außenpolitik schreiben?‘ Diesen Zusatz zitiert man nie. Aber um ehrlich zu sein: Gäbe es ihn nicht, würde ich glauben, ich mache etwas falsch.“

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