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„Alpenland“: Alpenländische Elegie

1945 1960 1980 2000 2020

Ein bittersüßes Porträt eines alten Kulturraums.

1945 1960 1980 2000 2020

Ein bittersüßes Porträt eines alten Kulturraums.

Das Kärntner Mölltal bildet die traumhafte Kulisse und zugleich Prolog wie Epilog von Robert Schabus’ eindrücklichem Dokumentarfilm „Alpenland“. Denn die Idylle täuscht, nimmt man die kärgsten Lebensbedingungen, unter denen ein Bergbauer, seine Schwester und deren Tochter Julia den Hof bewirtschaften. Zum Sterben zu viel, zum Leben aber viel zu wenig – so das herzerbarmende Fazit der Bauersleut, denen klar ist, dass dieses Dasein keine Zukunft hat – auch wenn aus Julia allen pessimistischen Erkenntnissen zum Trotz am Ende ein ebenso trotziges „Irgendwie wird es schon weitergehen“ herausplatzt.

Sechs lokale Szenarien hat Schabus mit der Kamera und mittels Interviewten erkundet: Da ist der Super-Wintersportort Garmisch, wo die Immobilienpreise unerschwinglich sind und wo Schnee nurmehr ein künstliches Band in brauner Winterlandschaft darstellt. Der Klimawandel hat die Stadt so warm gemacht wie einen Ort auf 400 Höhenmeter vor etwa 30 Jahren. Und auf 400 Meter kann man nicht Ski fahren, so das nüchterne Fazit des Försters, der im Film erzählt. Auch der französische Alpenort Méribel kämpft mit ähnlichen Problemen – und vor allem mit Abwanderung.

Da ist das lombardische Städtchen Premana, in dem sich eisenverarbeitende Manufakturen etabliert haben – noch 60 Kleinbetriebe gibt es, die mehr schlecht als recht, aber doch überleben konnten. Im piemontesischen Sturatal bewahren sich alternative Bauersleut gleichfalls den Lebensmut, auch wenn das Tal durch den rasant steigenden Schwerverkehr ruiniert zu werden droht.

Und schließlich noch Zermatt, der Schweizer Nobelort am Matterhorn, der ohne seine Zugewanderten aus Portugal wirtschaftlich nicht existieren könnte. Die Südländer, die nun schon in zweiter und dritter Generation hier leben und trefflich Schwyzerdütsch parlieren, können sich allerdings eine Wohnung im Ort nicht leisten – und müssen aus den umliegenden Dörfern mit dem Zug anreisen, um Seilbahnwart, Müllmann oder Bäckersfrau zu sein.

Ein bittersüßes Porträt eines alten Kulturraums – der Wehmut über den Abbruch überwiegt, auch wenn die traumhaften Kamerabilder von Lukas Gnaiger hoff en lassen, dass hier doch nicht alles zu Ende geht …

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