ES - 27 Jahre nach den ursprünglichen Ereignissen treibt Pennywise in der scheinbar idyllischen Statt Derry wieder sein Unwesen. - © Warner
Film

Der Clown des Horrors

1945 1960 1980 2000 2020

Pennywise wütet wieder: Im zweiten Teil der Neuverfilmung von Stephen Kings Roman „Es“ müssen sich die Protagonisten erneut ihren schlimmsten Ängsten stellen.

1945 1960 1980 2000 2020

Pennywise wütet wieder: Im zweiten Teil der Neuverfilmung von Stephen Kings Roman „Es“ müssen sich die Protagonisten erneut ihren schlimmsten Ängsten stellen.

Er verkörpert die Ängste, die tief im Unterbewusstsein schlummern, jäh hervorbrechen und denen wir so gut wie hilflos ausgeliefert sind: der diabolische Clown Pennywise, den Stephen King in seinem Roman „Es“ erstmals zum Leben erweckte. Nun kommt der zweite Teil der aktuellen Verfilmung dieses Stoffes in die Kinos. Die Mitglieder des einstigen „Clubs der Verlierer“, die im ersten Teil das Böse vorübergehend besiegten, sind nun erwachsen geworden und müssen sich abermals dem Schrecken, der letztlich aus ihnen selbst kommt, stellen. Denn 27 Jahre nach den ursprünglichen Ereignissen treibt Pennywise wieder sein Unwesen in dem kleinen, scheinbar idyllischen Städtchen Derry, in dessen gewaltigem Kanalisationslabyrinth die fleischgewordenen Ängste der Bewohner hausen.

Der erste Kinofilm, der vor ziemlich genau zwei Jahren Premiere hatte, überzeugte durch seine stimmungsvolle Zeichnung der Teenager-Charaktere. Der Film war dort am stärksten, wo er sich auf die Probleme und Beziehungen der ungefähr 13-jährigen Protagonisten konzentrierte, die sich nicht nur mit dem „Es“, sondern auch mit brutalen Mitschülern und verständnislosen Erwachsenen herumschlagen mussten. Mit vielen Rückblenden, in denen die durchwegs beeindruckenden jugendlichen Darsteller nochmals ihren Auftritt haben, versucht „ES Kapitel 2“ abermals diese Atmosphäre heraufzubeschwören – doch das kommt als allzu gewollter Versuch herüber, an ein einmal bewährtes Erfolgsrezept anzuknüpfen. Auch die Schreckensszenarien, die jede der erwachsenen Figuren durchlebt, wirken wie ein bloßer Aufguss dessen, was sie als Kinder im ersten Teil durchmachen mussten. Wirklich mühsam ist – wie leider in Holly­wood üblich geworden – das mit aus­ufernder Action überfrachtete, nicht enden wollende Finale.

Wirklich mühsam ist – wie leider in Holly­wood üblich geworden – das mit aus­ufernder Action überfrachtete, nicht enden wollende Finale.

Natürlich hat der Streifen auch seine Lichtpunkte: Vor allem der Erzählstrang um das einzige weibliche Mitglied des „Clubs der Verlierer“ vermag zu überzeugen. Beverly (Jessica Chastain), als Jugendliche (famos: Sophia Lillis) vom psychopathischen Vater missbraucht, nunmehr mit einem kontrollsüchtigen Gewalttäter verheiratet, findet endlich heraus, dass es seinerzeit nicht der Stotterer Bill (James Mc­Avoy/Jaeden Martell), sondern der früher übergewichtige und nunmehr erschlankte und als Architekt erfolgreiche Ben (Jay Ryan/Jeremy Ray Taylor) war, der ihr heimlich sensible Gedichte zukommen ließ.

Große Freude bereiten auch Kurzauftritte von Stephen King und Regie-Legende Peter Bogdanovich. Und nicht zuletzt gibt Bill Skarsgård als Pennywise eine überzeugende Vorstellung ab. In Fankreisen wird heftig diskutiert, ob nicht Tim Curry im TV-Zweiteiler von 1990 der bessere Horrorclown war, in der aktuellen Verfilmung jedenfalls ist es der schwedische Darsteller, der für die echten Gänsehaut-Momente sorgt – und zwar nicht, wenn er am Ende zu einem riesigen, gliederfüßerartigen Mons­ter mutiert, sondern in seiner menschlichen Gestalt: mit seinen bösen Grimassen, seinem unheimlichen Glucksen oder wenn mit leisen Worten unschuldige Kinder ins Verderben lockt.

ES_Plakat - © Warner
© Warner
Film

ES Kapitel 2

USA 2019.

Regie: Andrés Muschietti.

Mit Jessica Chastain, James McAvoy, Bill Hader, Isaiah Mustafa.

Warner. 170 Min.

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