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„Igor Levit – No Fear“: Im Schweiße des Virtuosen

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Der Filmemacherin Regina Schilling gelingt es, nicht nur Musik in extenso via Kino nahezubringen, sondern auch einen Menschen, der damit und dafür lebt.

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Der Filmemacherin Regina Schilling gelingt es, nicht nur Musik in extenso via Kino nahezubringen, sondern auch einen Menschen, der damit und dafür lebt.

Neun Minuten lang dauert der Satz aus der Waldstein-Sonate, die Igor Levit aus dem Flügel haut. Eine körperliche Anstrengung sondergleichen, Schweißtropfen stieben in alle Richtungen: Regina Schilling zeigt in ihrem Film „Igor Levit – No Fear“, dass das Ungestüm, welches Beethovens Sonate innewohnt, dem Interpreten auch körperlich alles abverlangt.

Das ist nur eines der Faszinosa, die die deutsche Dokumentarfilmerin ihrem Protagonisten entlockt. Zwei Jahre hat sie den deutsch-russisch-jüdischen Virtuosen begleitet. Als die Dreharbeiten beginnen, berichtet Levit von einem verplanten Jahr – jeden dritten Tag ein Konzert! Dann aber stürzt dieses Programm in sich zusammen, weil der Lockdown kommt. Man sieht den Pianisten bei Konzerten, im Studio und in seinen Versuchen, die jähe Unterbrechung durch die Pandemie künstlerisch innovativ wie produktiv zu nutzen. Ein Leben wie ein Parforceritt: Musik, wie sie in einem wie Igor Levit leibt und lebt.

Es gelingt Filmemacherin Schilling, nicht nur Musik in extenso via Kino nahezubringen, sondern auch einen Menschen, der damit und dafür lebt – und der doch nicht den „Draht“ zur Welt verliert: Dass Levit in der Schlusseinstellung vom Dannenröder Forst inmitten von Klimaaktivisten Klaviervariationen zum Protestlied „El pueblo unido“ spielt, ist nur ein Ausdruck dafür. Ein Monument von einem Musikdokumentarfilm.

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