ilTraditore

„Il traditore“: Italiens Antwort auf Scorsese & Coppola

1945 1960 1980 2000 2020

Otto Friedrich über das gelungene Mafia-Epos von Marco Bellocchio.

1945 1960 1980 2000 2020

Otto Friedrich über das gelungene Mafia-Epos von Marco Bellocchio.

Regisseur Marco Bellocchio pocht auf das Vorbild von Gianfranco Rosi. Aber natürlich muss man sein eindrückliches Mafia- Epos „Il traditore – Als Kronzeuge gegen die Cosa Nostra“ mit den Altvorderen aus Hollywood vergleichen. Martin Scorsese hat ja zeitgleich mit „The Irishman“ den Claim des zeitgenössischen Mafia-Kinos abgesteckt. Aber „Il traditore“ zeigt, dass man das Genre ganz und gar „italienisch“ bedienen kann. Und weil sich dieser Film sehr genau an die historischen Ereignisse hält, gelingt ihm auch unnachahmliches Lokal- und Zeitkolorit: Tommaso Buscetta, Mafioso und Lebemann (Pierfrancesco Favino), ist einer der wenigen, der das Schweigegesetz der Mafia durchbricht und als Kronzeuge nicht zuletzt daran mitgearbeitet hat, dass Totò Riina, brutalster Boss des Corleone-Clans, hinter Gitter kam.

Die Zeit zwischen den frühen 1980er und späten 1990er Jahren zählt zu den brutalsten, die Mafia-Clans in Italien schlachten einander ab, und auch die Morde an Mafia-Jägern wie Giovanni Falcone sind noch im Gedächtnis. Tommaso Buscetta wurde von der Vendetta nicht verschont: Zwei seiner Söhne wurden ermordet, um den „Traditore“ (Verräter) für seine Kronzeugenschaft zu bestrafen und ihn an weiteren Aktionen gegen die Mafia (erfolglos) zu hindern. Bellocchio erzählt dies als düstere Geschichte aus der Perspektive von Buscetta – die Verästelungen der Familien untereinander und die Anwürfe gegen höchste Politiker (Giulio Andreotti …) inklusive. Beklemmend, authentisch, mehr an der Hisotrie als an der Dramaturgie, die bei den Großmeistern jenseits des Atlantiks von Coppola bis Scorsese bestimmender ist. Ein episches Kunstwerk. Nichts für schwache Nerven – wie die Realität auch.

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