Schwarze Milch - © Foto: Alpenrepublik
Film

"Schwarze Milch": Treffen in der Wüste Gobi

1945 1960 1980 2000 2020

Alexandra Zawia über "Schwarze Milch" von Regisseurin Uisenma Borchu.

1945 1960 1980 2000 2020

Alexandra Zawia über "Schwarze Milch" von Regisseurin Uisenma Borchu.

"Schwarze Milch“ der mongolischdeutschen Regisseurin Uisenma Borchu ist ein interessanter Film. Nicht primär wegen der Geschichte über einen Clash von Traditionen, die er auch erzählt, sondern wegen seiner provokanten Beschäftigung mit den Möglichkeiten selbstbestimmter weiblicher Sexualität. Zwei Schwestern – sie heißen plakativerweise Wessi (die Regisseurin selbst) und Ossi (Gunsmaa Tsogzol) – wurden als Kinder in der Mongolei getrennt. Nun besucht Wessi, in Deutschland aufgewachsen, die knapp ältere Ossi, die als Nomadin in der Wüste Gobi lebt. Allmählich fühlt Wessi sich immer stärker zu Terbish hingezogen, einem alleine lebenden, seltsamen, bedeutend älteren Mann.

Borchu inszeniert in langen Einstellungen, zentriert auf die knappen, aber nicht spärlichen Dialoge. Sowohl Wessi als auch Ossi sind toughe und entschlossene Frauen. Doch trotz unterschiedlicher Sozialisation sind sie jeweils nur scheinbar eigenständig. Dem Film scheint eine antizipierte dualistische Rezeption zugrunde zu liegen, die er ebenfalls zum Thema macht: Eine Frau wird diesen Film völlig anders lesen als ein Mann. Dreh- und Angelpunkt ist eine Vergewaltigungsszene, welche eine ambivalente Illusion über vertauschte Rollen bereitstellt.