Dolce Vita & Co. - © Foto: unsplash/ Kelsey Knight

Die neue Serie im ORF: Dolce Vita & Co.

1945 1960 1980 2000 2020

Angst vor Kabarettisten? Ab 20. März versucht sich "Dolce Vita & Co." als Nachfolgeserie des "Kaisermühlen Blues".

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Angst vor Kabarettisten? Ab 20. März versucht sich "Dolce Vita & Co." als Nachfolgeserie des "Kaisermühlen Blues".

Wiener Schmäh, gepaart mit multikulturellem Flair. So sieht der ORF seine jüngste Eigenkreation Dolce Vita & Co. (Serienstart: 20. März, 20 Uhr 15, ORF 1), die diesmal allerdings nicht aus der Feder von Blues-Autor Ernst Hinterberger stammt, sondern von Ex-EAV-Drummer Andreas Stenmo.

Wiener Schmäh, gepaart mit multikulturellem Flair. So sieht der ORF seine jüngste Eigenkreation Dolce Vita & Co. (Serienstart: 20. März, 20 Uhr 15, ORF 1), die diesmal allerdings nicht aus der Feder von Blues-Autor Ernst Hinterberger stammt, sondern von Ex-EAV-Drummer Andreas Stenmo.

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Die Geschichte dreht sich um Mario Hubinger (Michael Niavarani), der das "Dolce Vita", das alte Wiener Beisl seines Vaters (Kurt Sobotka), übernimmt und aus dem heruntergekommenen Laden eine flotte italienische Trattoria machen will. Der Vater würde lieber an eine amerikanische Fastfoodkette verkaufen, doch der Eifer des Sohns, der unter seinem Hausmann-Dasein leidet, kennt keine Grenzen. TV-Klischees erfordern allerdings jede Menge Hindernisse auf dem Weg des Helden zu seinem Ziel, und so sieht sich Mario rasch mit großen Problemen konfrontiert: die Köchin geht, ein versoffener Kellner (Götz Kauffmann) wartet nur mehr auf seine Frühpensionierung, und dann gilt es noch, eine goldene Hochzeit zu organisieren, ein mehrgängiges Menü inklusive.

Vor der Kamera des Blues-erfahrenen Regisseurs Erhard Riedelsperger und Co-Regisseurin Claudia Jüptner tummelt sich wie gehabt die übliche Riege heimischer TV-Prominenz. Da sind Marianne Mendt, Hanno Pöschl, Alfons Haider, Andreas Vitasek, Gundula Rapsch oder Reinhard Nowak. Und Elke Winkens darf sowieso in keiner Serie fehlen.

Kabarettist Vitasek, der einen blinden Stammgast spielt: "Es ist uns gelungen, eine in erster Linie unterhaltsame Serie zu drehen." Wer allerdings auf derbe Sprüche a la Kaisermühlen Blues hofft, wartet vergeblich. Denn Dolce Vita & Co. verzichtet weitgehend auf die schnelle Pointe. "Es gibt ja andere Serien wie MA 2412, wo eine Pointe nach der anderen kommt", meint Vitasek. "Das ist wie im Lebensschnitt: eine Pointe pro Tag."

Ich hätte den multikulturellen Aspekt in Wien in der Serie wahrscheinlich stärker herausgearbeitet.

Michael Niavarani

"Eine Pointe pro Folge wäre allerdings zuwenig", gibt Michael Niavarani zu und erklärt auch, weshalb der ORF nicht die mitwirkende Kabarettisten-Schar mit dem Verfassen der Drehbücher beauftragt hat: "Ich glaube, der ORF hat ein bisschen Angst davor, wenn Kabarettisten selbst etwas schreiben. Hätte ich die Serie geschrieben, wäre sie um einiges politischer geworden." Politik will sich der ORF in seinen Serien offensichtlich nicht erlauben. Dafür serviert Regisseur Riedelsperger seichte Abend-Unterhaltung, die wenigstens niveauvoller ist, als alle Folgen von "Klinik unter Palmen" zusammen. ORF-Programm-chef Edgar Böhm glaubt jedenfalls an den Erfolg der Serie: "Die Österreicher wollen unterhaltsame Geschichten mit heimischen Schauspielern sehen. Das wird das Publikum goutieren."

Hinter den Kulissen gab es freilich Aufregung um den Sendeplatz am Dienstag Hauptabend. Dort ist, als Kontrast, das sehr erfolgreiche Universum eine schier übermäßige Konkurrenz. Weshalb die Serie nicht am Donnerstag oder am Freitag im Programm ausgestrahlt wird, wie einst der Blues? "Es ist völlig egal, wo man die Serie platziert", meint Böhm. "Das Kontrastprogramm wird von den Machern meist als übermächtig empfunden, ist es aber nicht." Ein Indiz für eine durchschnittliche Qualität der Serie sei der Dienstag-Termin jedenfalls nicht.

Auch den angekündigten multikulturellen Aspekt in Dolce Vita & Co. gibt es kaum. "Das Ausländerthema kommt natürlich nur am Rande vor", erzählt Niavarani. Die Ausländer-Charaktere, etwa der Türke Ötschi (dargestellt von Gunther Gillian), blieben "bloße Stereotypen", so Niavarani, der auch das Wiener Kabarett "Simpl" leitet, und betont: "Ich hätte den multikulturellen Aspekt in Wien in der Serie wahrscheinlich stärker herausgearbeitet." Doch so reduziert sich die Anwesenheit heimischer Kabarett-Stars nur auf die schauspielerische Mitwirkung in Dolce Vita & Co. Ein klein wenig mehr von ihrem Ideenreichtum hätte der Serie nicht geschadet.

Matthias Greuling

Der Autor ist Filmjournalist.

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