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Ein uraltes Märchen

"Shrek 2": Ein grünes Monster kehrt zurück und bietet vor allem Moral, Menschlichkeit und Unterhaltung.

Sein grünes Monstrum, liebenswürdig zwar, doch ästhetisch nicht unbedingt das, was man unter dem Begriff Schönheit versteht. Das ist Shrek, ein Oger, ein knallgrünes, beleibtes Wesen, das bereits vor drei Jahren die Herzen der Kinogänger für sich erwärmte. Ein klassischer Außenseiter, der hier in den Mittelpunkt gestellt wurde. Die Moral: Auch wenn du anders bist als die anderen - mit Mut und Selbstvertrauen überwindest du jedes Vorurteil.

In Teil zwei des völlig aus dem Computer stammenden Märchens wird dieses Spiel mit Vorurteilen noch krasser inszeniert: Shrek und seine Angetraute Fiona, ebenfalls zum grünen Oger mutiert, werden zu Fionas Eltern, dem Königspaar von "Far Far Away" eingeladen. Doch der grüne Schwiegersohn passt den versnobten Eltern gar nicht, weshalb man beschließt, ihn aus dem Weg räumen zu lassen. Ja, auch Mordgelüste finden Platz in diesem Kinderfilm! Freilich, der mit dem Auftrag versehene gestiefelte Kater Puss-in-Boots stellt sich als harmloses Kätzchen heraus und schließt mit Shrek sogar Freundschaft.

Der grüne Shrek will sein Äußeres verändern: Mittels Wundertrank erhofft er sich eine Verwandlung in jenen Prince Charming, den sich seine Schwiegereltern immer erträumt hatten. "Shrek 2", ein moralischer Film, ein Lehrstück für Kinder und klischeeverhaftete Erwachsene, eine Parabel auf ein besseres Leben durch Friede, Freude, Eierkuchen. Ein eigentlich uraltes Märchen im modernen Gewand, vollständig digital animiert und auf dem letzten Stand der Technik. Dennoch: Der digitalen Tricktechnik fehlt es noch immer an Glaubhaftigkeit. Blicke, Gesten, Zwischenmenschlichkeiten: All das bleibt nach wie vor realen Menschen vorbehalten. Der Computer kann bestenfalls imitieren.

Inhaltlich setzt man bei der Produktionsfirma "Dreamworks" - dem mächtigsten Konkurrenten der Trickfilm-Pioniere bei Disney - voll auf Familientauglichkeit. Die eine oder andere vermittelte Weisheit mag sogar erzieherische Qualitäten haben, generell aber bietet "Shrek 2" gut gemachte Unterhaltung ohne nennenswerten Tiefgang. Ein Familienfilm, gestrickt nach einem uralten Rezept: Nur wo es menschelt, fühlen wir uns zuhause.

SHREK 2 - Der tollkühne Held kehrt zurück

USA 2004. Regie: Andrew

Adamson und Kelly Asbury.

Verleih: UIP. 105 Minuten.

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