Feldhase - © Foto: iStock / Anagramm

Krisenmanager mit Hasenfuß

1945 1960 1980 2000 2020

Verglichen mit dem Menschen und seiner Angst angesichts von Corona, Krise und Gefahr, erscheint der Feldhase wie ein ausgefuchster Krisenmanager.

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Verglichen mit dem Menschen und seiner Angst angesichts von Corona, Krise und Gefahr, erscheint der Feldhase wie ein ausgefuchster Krisenmanager.

Dem Hasen widerfahren aus Tradition die tollsten Frechheiten. Im Märchen auf der Buxtehuder Heide etwa wird er gegen den Igel zum Blödmann ausgerufen, bis zum Erschöpfungstode veralbert und dann noch als Leiche um ein Goldstück und ein Fässchen Branntwein gefleddert – also ganz und gar ekelhaft behandelt. Und das nur wegen ein wenig Hochmut und Stolz auf seine flinken Hasenbeine.

Gar nicht verulkt wird der Siegertyp, der Igel – ein betrügerischer Totschläger de jure, der laut den Brüdern Grimm vor seinem zweifelhaften Wettstreit seine Igelgattin anherrscht, als gäbe es keinen Internationalen Frauentag: „Halts Maul, Weib! Das ist Männersache!“ Dem Hasen könnte dergleichen nicht passieren. Die antike Tradition verbindet ihn immerhin mit Liebesgöttin Aphrodite und mit der Fruchtbarkeit – alles Konsequenz seines natürlichen Gerammels.

Vielleicht ist es ein klein wenig dem Sexualneid geschuldet, dass dem Lepus europaeus die Angst an den Hals gedichtet wurde. Anlass genug, das richtigzustellen. Denn der Hase ist ein von Feldnatur aus beeindruckender Risikomanager, gegen dessen Abgeklärtheit sich der Mensch mit seinen Panikattacken vor Krise und Krankheit geradezu ärmlich ausnimmt.

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