Federspiel

Kulturminister nötig?

1945 1960 1980 2000 2020
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Ist Österreich noch immer das vielzitierte Kulturland? Wenn Peter Handke den Nobel­preis verliehen bekommt, ist das die Top-Meldung der Medien. Sonst braucht es für ein solches Ranking Skandale. ­Etwa wenn das Wiener Volkstheater nicht wegen einer fulminanten, kontroversen Produktion, sondern wegen seiner skandalösen Geschäftsführung und seiner Pleite in die Schlagzeilen kommt; oder wenn ein nicht unumstrittener Kunstmanager eine der tüchtigsten Museumsdirektorinnen ersetzen soll und kurz vor Amtsantritt wegen besserer Konditionen anderswo telefonisch absagt. Irgendwie hat man den Eindruck, dass es um unsere Kultur schon besser bestellt war. Kulturelle Veranstaltungen werden von den Subventionsverteilern, den Politikern, schon seit längerer Zeit immer seltener besucht. Berichte über das Ansteigen von Gewalt und Katastrophen aller Arten verdrängen in den Nachrichten nur allzu oft jene über Kunstwerke, in denen diese Themen behandelt werden. Wie aber könnte der Kultur geholfen werden? „Es sollte sich über Grenzen und Mauern hinweg ein Bündnis der Denkenden und zutiefst Beunruhigten herausbilden, die verstehen, dass wir nicht nur antagonistischen gesellschaftlichen Systemen angehören, sondern in einer Welt leben, die durch ein paar Narren in die Luft gesprengt werden kann.“ Diese Forderung stellte Österreichs erster Staatssekretär für Kultur nach dem Zweiten Weltkrieg, der brillante Schriftsteller Ernst Fischer. Seine Nachfolger waren bis um die Jahrtausendwende alle Minister, bis man sich eigene Kulturminister nicht mehr leisten wollte und durch Sekretäre ersetzte. Die Auferstehung dieses Ministeriums wäre, mit einer unabhängigen und verantwortungsbewussten Persönlichkeit an der Spitze, dringend erforderlich. Unsere Kultur braucht eine starke Vertreterin oder einen starken Vertreter.

Der Autor ist freier Journalist.

Ist Österreich noch immer das vielzitierte Kulturland? Wenn Peter Handke den Nobel­preis verliehen bekommt, ist das die Top-Meldung der Medien. Sonst braucht es für ein solches Ranking Skandale. ­Etwa wenn das Wiener Volkstheater nicht wegen einer fulminanten, kontroversen Produktion, sondern wegen seiner skandalösen Geschäftsführung und seiner Pleite in die Schlagzeilen kommt; oder wenn ein nicht unumstrittener Kunstmanager eine der tüchtigsten Museumsdirektorinnen ersetzen soll und kurz vor Amtsantritt wegen besserer Konditionen anderswo telefonisch absagt. Irgendwie hat man den Eindruck, dass es um unsere Kultur schon besser bestellt war. Kulturelle Veranstaltungen werden von den Subventionsverteilern, den Politikern, schon seit längerer Zeit immer seltener besucht. Berichte über das Ansteigen von Gewalt und Katastrophen aller Arten verdrängen in den Nachrichten nur allzu oft jene über Kunstwerke, in denen diese Themen behandelt werden. Wie aber könnte der Kultur geholfen werden? „Es sollte sich über Grenzen und Mauern hinweg ein Bündnis der Denkenden und zutiefst Beunruhigten herausbilden, die verstehen, dass wir nicht nur antagonistischen gesellschaftlichen Systemen angehören, sondern in einer Welt leben, die durch ein paar Narren in die Luft gesprengt werden kann.“ Diese Forderung stellte Österreichs erster Staatssekretär für Kultur nach dem Zweiten Weltkrieg, der brillante Schriftsteller Ernst Fischer. Seine Nachfolger waren bis um die Jahrtausendwende alle Minister, bis man sich eigene Kulturminister nicht mehr leisten wollte und durch Sekretäre ersetzte. Die Auferstehung dieses Ministeriums wäre, mit einer unabhängigen und verantwortungsbewussten Persönlichkeit an der Spitze, dringend erforderlich. Unsere Kultur braucht eine starke Vertreterin oder einen starken Vertreter.

Der Autor ist freier Journalist.