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Keine Rache!

Der neueste Roman des Friedens- nobelpreis-Trägers Elie Wiesel, „Der Vergessene", erzählt von dem frommen Psychotherapeuten El- chanan Rosenbaum in New York, der aus Rumänien stammt, die Ju- denverfolgung dort mitgemacht hat und später in Israel den oft mitleid- losen Kampf gegen die Araber. Er schickt (krank, von Gedächtnis- verlust bedroht) den Sohn Malkien nach Europa, um zu erforschen, was sich nach der Befreiung in Feherf a- lü abgespielt hat, als die Witwe des grausamsten Judenpeinigers als Vergeltung vergewaltigt wurde.

Die mehrschichtige Fabel begibt sich also zu verschiedenen Zeiten. Malkien eruiert alles, er ist Journa- list wie seine Braut Tamar, eine überzeugte Jüdin, die den neuesten Gewalttaten in Israel sachlich nach- geht und offen darüber schreibt. „Bitte keine Rache mehr!", das ist die Lehre aus den schrecklichen Erlebnissen, wenige Seiten vor dem Ende des Buches verkündet.

Der mit seinem Volk untrennbar verbundene Autor schildert in al- len furchtbaren Einzelheiten die erlittenen Unbilden, will durchaus nicht vergessen, aber er will verge- ben, weil Befriedung anders nicht zustande kommen kann.

DER VERGESSENE. Von Elie Wiesel. Herder Verlag, Freiburg/Basel/Wien 1990. 303 Seiten, öS 304,20,-.

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