Augen auf, ein Kick!

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Wenn einem die Ärzte keine Beachtung schenken, ist man vermutlich pumperlgsund, meint Brigitte Quint. Eine Kolumne über Aufmerksamkeit in bumvollen Arztpraxen.<br /> &nbsp;

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Wenn einem die Ärzte keine Beachtung schenken, ist man vermutlich pumperlgsund, meint Brigitte Quint. Eine Kolumne über Aufmerksamkeit in bumvollen Arztpraxen.<br /> &nbsp;

Meine körperliche Schwachstelle sind meine Augen. Ich habe schon einige OPs hinter mir und die nächste steht bevor. Ich empfinde das als nicht weiter tragisch. Ich habe gelernt, damit zu leben. Spannend ist aber die Reaktion des Gesundheitspersonals, wenn es mit meiner Diagnose konfrontiert wird.

Nachdem es erkannt hat, dass ich ohne Sehhilfe quasi blind bin, sieht es mich plötzlich. Davor werde ich behandelt wie alle Patienten. Ich habe das Gefühl, ein Störfaktor zu sein, lästig, ein Hypochonder, jemand, der den Ordihilfen, Ärzt(inn)en, Pflegekräften die Zeit raubt. Zunächst. Bis erkannt wird, dass ich eine Herausforderung bin. Im positiven Sinne. Für das Fachpersonal.

Sätze wie „Endlich mal eine ernsthafte Erkrankung“ oder „Gott sei Dank, eine echte Krankheit“ fallen dann. Vor mir. Meist werden dann einschlägige Kollegen gerufen, damit die auch einen Blick auf die Sensationspatientin werfen können. Plötzlich haben alle Zeit – Ende nie.

In „Psychologie heute“ habe ich gelesen, dass ein Großteil der Menschheit den regelmäßigen Kick sucht. Fehlen einem auf Dauer intensive Erfahrungen, fühlt man sich wie lebendig begraben. Und meine Augen sind so ein Kick. Für Ophthalmologen – also Augenheilkundler – und Co. Ein Blick auf mein Sehorgan und das Fachpersonal fühlt sich wieder lebendig.

Ich hoffe, dass es mich nach meiner OP im Herbst fallen lässt wie eine heiße Kartoffel. Wenn ich auftauche, sollen mich die Mediziner wie Luft behandeln. Ich werde dann deren genervte Mimik bis ins Detail wahrnehmen können. Das wird mein Kick off für mehr Lebensqualität. Welch eine Freude.

Lesen Sie auch die Quint-Essenz "Witz, komm raus" oder "Muse und Mühsal".

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