Vom Kontowechsel zur Mammographie: Muse und Mühsal

1945 1960 1980 2000 2020

So manches lang Brigitte Quint unlängst noch im Nacken. Das hat sich nun geändert. Eine Kolumne über die Mühsal auf dem Weg zum Ziel und das Glück, von der Muse geküsst zu werden.

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So manches lang Brigitte Quint unlängst noch im Nacken. Das hat sich nun geändert. Eine Kolumne über die Mühsal auf dem Weg zum Ziel und das Glück, von der Muse geküsst zu werden.

In meinem Leben herrscht Aufbruchstimmung. Plötzlich und unverhofft. Innerhalb von zwei Wochen habe ich Dinge getan, die ich schon seit Jahren tun will und nie tat: Ich habe etwa mein Konto gewechselt. In meiner alten Bank musste ich für jede Auskunft eine Nummer ziehen, nur um dann von einem Praktikanten beraten zu werden. Nun habe ich eine Bankberaterin, die ich mit Namen kenne – und sie mich.

Ich habe beim Optiker eine optische Sonnenbrille anfertigen lassen. Vorher bin ich Sommer für Sommer mit einer 08/15- Sonnenbrille und halbblind durch die Gegend gerannt. Auch habe ich die Säuglingskleidung meines Kindes (es ist mittlerweile sechs Jahre alt) in Kisten verstaut und zur Caritas gebracht. Und: Ich war bei der Mammographie! Was habe ich diese Untersuchung hinausgezögert. Einer Freundin habe ich wiederum geschrieben, dass in unserer Freundschaft der Wurm drin ist.

Diese Angelegenheiten saßen mir alle im Nacken. Dennoch ging ich sie nicht an. Laut Internet ist das eine Handlungsstörung. Anstatt zur Tat zu schreiten, vermeidet man die Mühsal, die womöglich auf dem Weg zum Ziel auf einen zukommen könnte. Das wiederum hemmt die eigene Entwicklung. Psychologen raten Leuten wie mir, ihre Projekte aufzugeben, anstatt sie aufzuschieben.

Ganz genau! Das ist der Trick. Diese elendige, unpersönliche Bank hatte ich über ein Jahrzehnt hingenommen. Wie mein sommerliches Sichtproblem. Die gebrauchte Babykleidung wiederum stopfte ich nach hinten in den Kasten. Weg war sie. Und bei Telefonaten mit meiner Freundin beschränkte ich mich auf Allgemeinplätze.

Die Muse hat mich erst geküsst, nachdem ich resigniert hatte. Der Druck war raus. So mache ich es nun mit der Steuererklärung. Ich lasse sie los. Psychisch. So erledigt sie sich von selbst. Plötzlich und unverhofft.

Lesen Sie auch die Quint-Essenz "Mossad oder Schleichkatzen?" oder "Dem verzeihe ich alles".

In meinem Leben herrscht Aufbruchstimmung. Plötzlich und unverhofft. Innerhalb von zwei Wochen habe ich Dinge getan, die ich schon seit Jahren tun will und nie tat: Ich habe etwa mein Konto gewechselt. In meiner alten Bank musste ich für jede Auskunft eine Nummer ziehen, nur um dann von einem Praktikanten beraten zu werden. Nun habe ich eine Bankberaterin, die ich mit Namen kenne – und sie mich.

Ich habe beim Optiker eine optische Sonnenbrille anfertigen lassen. Vorher bin ich Sommer für Sommer mit einer 08/15- Sonnenbrille und halbblind durch die Gegend gerannt. Auch habe ich die Säuglingskleidung meines Kindes (es ist mittlerweile sechs Jahre alt) in Kisten verstaut und zur Caritas gebracht. Und: Ich war bei der Mammographie! Was habe ich diese Untersuchung hinausgezögert. Einer Freundin habe ich wiederum geschrieben, dass in unserer Freundschaft der Wurm drin ist.

Diese Angelegenheiten saßen mir alle im Nacken. Dennoch ging ich sie nicht an. Laut Internet ist das eine Handlungsstörung. Anstatt zur Tat zu schreiten, vermeidet man die Mühsal, die womöglich auf dem Weg zum Ziel auf einen zukommen könnte. Das wiederum hemmt die eigene Entwicklung. Psychologen raten Leuten wie mir, ihre Projekte aufzugeben, anstatt sie aufzuschieben.

Ganz genau! Das ist der Trick. Diese elendige, unpersönliche Bank hatte ich über ein Jahrzehnt hingenommen. Wie mein sommerliches Sichtproblem. Die gebrauchte Babykleidung wiederum stopfte ich nach hinten in den Kasten. Weg war sie. Und bei Telefonaten mit meiner Freundin beschränkte ich mich auf Allgemeinplätze.

Die Muse hat mich erst geküsst, nachdem ich resigniert hatte. Der Druck war raus. So mache ich es nun mit der Steuererklärung. Ich lasse sie los. Psychisch. So erledigt sie sich von selbst. Plötzlich und unverhofft.

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