Mutter, dein Tag

1945 1960 1980 2000 2020

Brigitte Quint macht sich Gedanken über den Muttertag.

1945 1960 1980 2000 2020

Brigitte Quint macht sich Gedanken über den Muttertag.

Wenn ich an Muttertag denke, dann denke ich an den Wirt von Marienberg. Ein Gasthaus, rund drei Kilometer von meinem Elternhaus entfernt. Ich sehe meine Mutter, meinen Vater, meine Geschwister und mich in der übervollen Gaststube stehen. Die Kellnerinnen hetzen mit Schweinshaxen, Rindsrouladen oder Jägerschnitzel an uns vorbei. Der Wirt steht hinter der Schank und zapft eine Halbe Bier nach der anderen. Er hat Schweißperlen auf der Stirn.

Als mein Vater ihn anspricht, deutet er zum Nebenraum. Dort wurden extra für den Muttertag zusätzliche Tische gedeckt. Oft sitzen in diesem Raum Bekannte aus dem Dorf. Nicht nur bei uns ist der Muttertag ein Ausnahmetag. Heute essen alle ausnahmsweise auswärts. Oft genug sind aber selbst im Nebenraum keine Plätze mehr frei. Dann fahren wir wieder nach Hause. Meine Mutter holt dann Putenfilets aus der Gefriertruhe und schiebt sie zusammen mit den Tiefkühl-Pommes in den Ofen. Dann geht sie in den Garten und holt einen Salatkopf.

Eine befreundete Mutter hat mich letztens gefragt, was mein größter Wunsch zum Muttertag wäre – mit dem Verweis, ich solle ehrlich antworten. Ich schmunzelte und erklärte, dass ich 48 Stunden Einsamkeit wählen würde. Ein Hotel am Ende der Welt. Ohne Handynetz. Mit Zimmerservice. Wellnessprogramm. Und der Garantie, in Ruhe gelassen zu werden.

Wonach hat sich meine Mutter vor 40 Jahren gesehnt? Das Ansuchen um eine Auszeit wäre ihr nie über die Lippen gekommen. Ich glaube, der Wirt von Marienberg war schon ein Freudenmoment. Nur der Stress drumherum nicht. Warum wir nicht vorab reserviert haben? Weil das nicht der Brauch war. Aber der Muttertag, der wurde gefeiert.

Wenn ich an Muttertag denke, dann denke ich an den Wirt von Marienberg. Ein Gasthaus, rund drei Kilometer von meinem Elternhaus entfernt. Ich sehe meine Mutter, meinen Vater, meine Geschwister und mich in der übervollen Gaststube stehen. Die Kellnerinnen hetzen mit Schweinshaxen, Rindsrouladen oder Jägerschnitzel an uns vorbei. Der Wirt steht hinter der Schank und zapft eine Halbe Bier nach der anderen. Er hat Schweißperlen auf der Stirn.

Als mein Vater ihn anspricht, deutet er zum Nebenraum. Dort wurden extra für den Muttertag zusätzliche Tische gedeckt. Oft sitzen in diesem Raum Bekannte aus dem Dorf. Nicht nur bei uns ist der Muttertag ein Ausnahmetag. Heute essen alle ausnahmsweise auswärts. Oft genug sind aber selbst im Nebenraum keine Plätze mehr frei. Dann fahren wir wieder nach Hause. Meine Mutter holt dann Putenfilets aus der Gefriertruhe und schiebt sie zusammen mit den Tiefkühl-Pommes in den Ofen. Dann geht sie in den Garten und holt einen Salatkopf.

Eine befreundete Mutter hat mich letztens gefragt, was mein größter Wunsch zum Muttertag wäre – mit dem Verweis, ich solle ehrlich antworten. Ich schmunzelte und erklärte, dass ich 48 Stunden Einsamkeit wählen würde. Ein Hotel am Ende der Welt. Ohne Handynetz. Mit Zimmerservice. Wellnessprogramm. Und der Garantie, in Ruhe gelassen zu werden.

Wonach hat sich meine Mutter vor 40 Jahren gesehnt? Das Ansuchen um eine Auszeit wäre ihr nie über die Lippen gekommen. Ich glaube, der Wirt von Marienberg war schon ein Freudenmoment. Nur der Stress drumherum nicht. Warum wir nicht vorab reserviert haben? Weil das nicht der Brauch war. Aber der Muttertag, der wurde gefeiert.

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