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Digital In Arbeit

Unabhängige Linkspresse

Das schlechte Verhältnis der SPÖ zur unabhängigen Presse (das manchmal sogar zu Attacken gegen eigene Blätter führt) ist hinlänglich bekannt und hat vor allem in letzter Zeit wieder besondere Blüten getrieben. So gibt es z. B. nunmehr in der „Arbeiter-Zeitung“ eine regelmäßige Spalte mit dem irreführenden Titel „korrekt“, in der die falsche, böswillige, ja schlechthin meuchlerische Berichterstattung der unabhängigen Presse über die doch ohnehin grandiose Regierungspolitik einer wohlwollenden Korrektur unterzogen werden soll. Wie diese „objektive“ Korrektur durch die rote Parteibrüle aussieht, kann man sich vorstellen, doch spielt dies weiter kein großes Unglück, denn die AZ-Leser haben eben die Zeitung, die sie verdienen.

Das zeigte vor einiger Zeit ein Leserbrief, dem die AZ gar eine Viertelseite einräumte. In diesem Leserbrief wird die Tatsache bedauert, daß es in Europa keine „unabhängige Linkspresse“ gäbe; wobei unter anderem ausgeführt wird, daß es „im Interesse der westlichen Demokratien wäre, diesen Mangel nachzuholen und den daraus resultierenden Leeraum zu füllen“.

Dieser Leserbrief, den die AZ wahrscheinlich deswegen abdruckte, „weil sie einfach mehr weiß“ (offizieller AZ-Slogan), offenbart damit das tragische Dilemma des roten Medienmißverständnisses: es gibt nur eine „unabhängige“ Rechtspresse, aber keine „unabhängige“ Linkspresse, daher ist alles, was nicht die Segnungen der offiziellen linken Presse genießt, schlechthin düsteres, reaktionäres, fortschrittfeindliches usw. Geschreibsel.

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