Harnoncourt - © Foto: Privat

Harnoncourt: Ururenkel von Erzherzog Johann, Musiker, Liturgiker, Ökumeniker

1945 1960 1980 2000 2020

Mit 89 Jahren ist der Theologe Philipp Harnoncourt am 25. Mai verstorben. Ein Nachruf.

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Mit 89 Jahren ist der Theologe Philipp Harnoncourt am 25. Mai verstorben. Ein Nachruf.

Mit vier Jahren spielte Philipp Harnoncourt erstmals öffentlich vierhändig Klavier – mit Bruder Nikolaus. Letzterer wurde ein weltberühmter Musiker, Ersterer, wiewohl zeitlebens auch musikalisch tätig, wählte den Beruf des Priesters und Theologen. Nun ist der steirische Liturgiewissenschaftler und Ostkirchenexperte Philipp Harnoncourt 89-jährig verstorben. Der 1931 geborene Ururenkel von Erzherzog Johann wurde 1954 zum Priester geweiht. 1963 gründete er an der heutigen Kunstuniversität Graz das Institut für Kirchenmusik, das er bis 1972 leitete. Danach forschte und lehrte er bis 1999 als Ordinarius für Liturgiewissenschaft, Christliche Kunst und Hymnologie an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Graz.

Harnoncourt war auch in der Ökumene mit den Ostkirchen an führender Stelle tätig. Seit 1986 war er im Vorstand der Stiftung Pro Oriente, deren Grazer Sektion er gründete. In Anerkennung seiner Verdienste im katholischortho doxen Dialog verlieh ihm die Universität Sibiu-Hermannstadt das Ehrendoktorat. In seinen letzten Lebensjahren setzte sich Philipp Harnoncourt nicht zuletzt mit der Dreifaltigkeit – insbesondere in der Kunst – auseinander. Zu seinem 80er im Jahr 2011 stiftete er den Kunstpreis „1+1+1=1“ im Zeichen der Trinität, der die christliche Gottesvorstellung in bildender Kunst, Literatur und Musik im Zentrum hatte. Zuletzt setzte er sich, gemeinsam mit den anderen Mitgliedern der Familie Harnoncourt, für die Renovierung der Heilig-Geist-Kirche in Bruck/ Mur ein – ein einzigartiges dreieckiges Gotteshaus, das auch architektonisch die Trinität symbolisiert. Am 25. Mai ist Harnoncourt 89-jährig verstorben. Am Pfingstsonntag, 31. Mai, 19.52, strahlt ORF 2 in der Sendung „FeierAbend“ das filmische Porträt „Der Himmel offen“ über ihn in memoriam aus.

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