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Politik

Entgleisungen

1945 1960 1980 2000 2020
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Jörg Haiders Aschermittwochrede sorgt weiterhin für Aufregungen. Natürlich war diese Rede eine kalkulierte Spekulation auf den gar nicht so latenten Antisemitismus, den es in Österreich, wie übrigens in den meisten europäischen Ländern, noch immer gibt. Der Rülpser aus dem Bierzelt droht nicht nur die positive Lösung der Zwangsarbeiterentschädigung und der Restitution "arisierten" Vermögens zu überdecken, er war offenkundig geradezu darauf angelegt, anhand dieses Themas den antisemitischen Bodensatz aufzukochen.

Wolfgang Schüssel wäre gut beraten gewesen, auf diese Zusammenhänge hinzuweisen und Haiders eindeutige Töne eindeutig zu verurteilen. Hinweise auf den Fasching sind zu wenig. Ein Lavieren in so grundsätzlichen Fragen tut weder der Regierung noch dem Land gut. Wenn Franz Fischler von "einer gewissen Verrohung im Lande" spricht, ist ihm zuzustimmen.

Verrohung der Sprache, Polarisierung der Politik findet allerdings nicht nur in einer Partei statt. Ariel Muzicant vertritt die Interessen der Kultusgemeinde in anderem Stil als seine Vorgänger, was auch mit dem Generationswechsel in der jüdischen Gemeinde zu tun hat. Seine jüngsten Äußerungen in der "Süddeutschen Zeitung", wonach Teile der Regierung den Wunsch hätten , "die jüdische Gemeinde irgendwann zu liquidieren", sind ebenso inakzeptabel wie die Haider-Sager im Bierzelt.

Wer Verrohungen und sprachliche Entgleisungen ortet, muss solche Fehlentwicklungen in allen politischen Milieus registrieren.Ein Transparent "Tötet Haider", das auf der letzten Demonstration der "Demokratischen Offensive" aufgetaucht ist, ist ebenso inakzeptabel wie die Haider-Sager.

Wer die menschenverachtende Sprache Haiders, seine Spiele mit Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit zurecht kritisiert, darf Menschenverachtung, ja Aufforderung zum Mord, in den eigenen Reihen nicht zulassen. Überhaupt täte es dem Land gut, aus der Phase der verbalen Eskalation wieder zur Phase des sachlichen Dialogs und der demokratischen Diskussion zurückzukehren.

Trautl Brandstaller war langjährige ORF-Redakteurin und Dokumentarfilmerin.

Jörg Haiders Aschermittwochrede sorgt weiterhin für Aufregungen. Natürlich war diese Rede eine kalkulierte Spekulation auf den gar nicht so latenten Antisemitismus, den es in Österreich, wie übrigens in den meisten europäischen Ländern, noch immer gibt. Der Rülpser aus dem Bierzelt droht nicht nur die positive Lösung der Zwangsarbeiterentschädigung und der Restitution "arisierten" Vermögens zu überdecken, er war offenkundig geradezu darauf angelegt, anhand dieses Themas den antisemitischen Bodensatz aufzukochen.

Wolfgang Schüssel wäre gut beraten gewesen, auf diese Zusammenhänge hinzuweisen und Haiders eindeutige Töne eindeutig zu verurteilen. Hinweise auf den Fasching sind zu wenig. Ein Lavieren in so grundsätzlichen Fragen tut weder der Regierung noch dem Land gut. Wenn Franz Fischler von "einer gewissen Verrohung im Lande" spricht, ist ihm zuzustimmen.

Verrohung der Sprache, Polarisierung der Politik findet allerdings nicht nur in einer Partei statt. Ariel Muzicant vertritt die Interessen der Kultusgemeinde in anderem Stil als seine Vorgänger, was auch mit dem Generationswechsel in der jüdischen Gemeinde zu tun hat. Seine jüngsten Äußerungen in der "Süddeutschen Zeitung", wonach Teile der Regierung den Wunsch hätten , "die jüdische Gemeinde irgendwann zu liquidieren", sind ebenso inakzeptabel wie die Haider-Sager im Bierzelt.

Wer Verrohungen und sprachliche Entgleisungen ortet, muss solche Fehlentwicklungen in allen politischen Milieus registrieren.Ein Transparent "Tötet Haider", das auf der letzten Demonstration der "Demokratischen Offensive" aufgetaucht ist, ist ebenso inakzeptabel wie die Haider-Sager.

Wer die menschenverachtende Sprache Haiders, seine Spiele mit Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit zurecht kritisiert, darf Menschenverachtung, ja Aufforderung zum Mord, in den eigenen Reihen nicht zulassen. Überhaupt täte es dem Land gut, aus der Phase der verbalen Eskalation wieder zur Phase des sachlichen Dialogs und der demokratischen Diskussion zurückzukehren.

Trautl Brandstaller war langjährige ORF-Redakteurin und Dokumentarfilmerin.