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Politik

"It isn't good for the Jews"

1945 1960 1980 2000 2020
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Trump und kein Ende. Im Eiltempo zerlegt der neue US-Präsident Gewissheiten, die der amerikanischen und der globalen Politik jahrzehntelang Stabilität gaben, auch dem US-Judentum. Die meisten amerikanischen Juden sind genauso Amerikaner wie Juden, und lange waren die Werte beider Teile dieser Identität im Einklang: Religiöse Freiheit, Respekt für kulturelle Unterschiede, Offenheit für Minderheiten, ein zukunftsgewandter Idealismus.

Mit Trump steht all das in Frage: Bei der Einreise in die USA soll nach Religion sortiert werden, Muslime stehen unter Generalverdacht, Flüchtlinge werden ausgesperrt und eine abgehängte weiße Unterschicht darf sich lauthals in die Vergangenheit zurückwünschen. Zugleich fühlt sich der rassistische Bodensatz der Gesellschaft ermutigt, seinen Hass auszuleben, nicht nur im Internet. In den letzten Wochen sind jüdische Einrichtungen mit Hakenkreuzen beschmiert und mit Bombendrohungen traktiert worden. Vielleicht hat mancher bei Trumps Wahl noch gefragt, "Is it good for the Jews?" Das glaubt heute kaum noch jemand. Die meisten amerikanischen Juden lassen sich nicht durch Trumps Ankündigung blenden, die US-Botschaft nach Jerusalem zu verlegen und der israelischen Regierung mehr Spielraum im Nahost-Konflikt zu lassen. Für sie geht es um mehr: "Is it good for America?"

Weil lange Zeit sicher schien, dass, was gut ist für Amerika, auch gut ist für die Juden, wird seit Gründung der USA in vielen Synagogen fürs Land und die Regierung gebetet. Das Gebet, das in verschiedenen Versionen auch an diesem Samstag gesprochen wird, bittet Gott um Segen, auf dass im Land Frieden und Gemeinsinn, Glück und Wohlstand herrschen mögen. Göttlichen Beistand können Juden wie viele andere Amerikaner brauchen. Trump hätte ihn, auf andere Weise, besonders nötig.

Der Autor ist Wissenschafter am Institut für Jüdische Theologie der Universität Potsdam

Trump und kein Ende. Im Eiltempo zerlegt der neue US-Präsident Gewissheiten, die der amerikanischen und der globalen Politik jahrzehntelang Stabilität gaben, auch dem US-Judentum. Die meisten amerikanischen Juden sind genauso Amerikaner wie Juden, und lange waren die Werte beider Teile dieser Identität im Einklang: Religiöse Freiheit, Respekt für kulturelle Unterschiede, Offenheit für Minderheiten, ein zukunftsgewandter Idealismus.

Mit Trump steht all das in Frage: Bei der Einreise in die USA soll nach Religion sortiert werden, Muslime stehen unter Generalverdacht, Flüchtlinge werden ausgesperrt und eine abgehängte weiße Unterschicht darf sich lauthals in die Vergangenheit zurückwünschen. Zugleich fühlt sich der rassistische Bodensatz der Gesellschaft ermutigt, seinen Hass auszuleben, nicht nur im Internet. In den letzten Wochen sind jüdische Einrichtungen mit Hakenkreuzen beschmiert und mit Bombendrohungen traktiert worden. Vielleicht hat mancher bei Trumps Wahl noch gefragt, "Is it good for the Jews?" Das glaubt heute kaum noch jemand. Die meisten amerikanischen Juden lassen sich nicht durch Trumps Ankündigung blenden, die US-Botschaft nach Jerusalem zu verlegen und der israelischen Regierung mehr Spielraum im Nahost-Konflikt zu lassen. Für sie geht es um mehr: "Is it good for America?"

Weil lange Zeit sicher schien, dass, was gut ist für Amerika, auch gut ist für die Juden, wird seit Gründung der USA in vielen Synagogen fürs Land und die Regierung gebetet. Das Gebet, das in verschiedenen Versionen auch an diesem Samstag gesprochen wird, bittet Gott um Segen, auf dass im Land Frieden und Gemeinsinn, Glück und Wohlstand herrschen mögen. Göttlichen Beistand können Juden wie viele andere Amerikaner brauchen. Trump hätte ihn, auf andere Weise, besonders nötig.

Der Autor ist Wissenschafter am Institut für Jüdische Theologie der Universität Potsdam