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Was bedeutet Trump für US-Juden?

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Seit gut drei Wochen versuchen amerikanische Juden, wie alle anderen Amerikaner und die Welt, das überraschende Ergebnis der Wahl zu verdauen. Laut einer ersten Studie haben 71 Prozent der Juden für Hillary Clinton gestimmt und 24 Prozent für Trump. Das liegt im Trend der letzten Wahlen. Juden wählen traditionell mit großer Mehrheit Demokraten. Aus historischer Erfahrung favorisieren sie als Minderheit liberal-progressive Kräfte, die für Toleranz und Vielfalt eintreten und die Schwächeren durch den Staat schützen wollen. Bei dieser Wahl kam der Schock über Trumps Spiel mit antisemitischen Motiven hinzu; die Berufung des rechtsextremen Agitators Stephen Bannon auf einen Schlüsselposten im Weißen Haus hat einen Proteststurm unter amerikanischen Juden ausgelöst.

Wer sind dann die 24 Prozent jüdischen Trump-Wähler? Studien zufolge gibt es einen Zusammenhang zwischen Wahlentscheidung und religiöser Identität: je religiöser, desto wahrscheinlicher pro Trump. Eine Umfrage vor der Wahl erhob, dass rund die Hälfte der Ultra-Orthodoxen für ihn stimmen würden. Aversionen gegen eine (diese) Frau in prominenter Rolle, Unterstützung für Trumps harte Haltung gegenüber Muslimen und islamischen Extremisten sowie Anerkennung für seine Bekenntnisse zu Israel -solche Faktoren dürften ihre Wahlentscheidung beeinflusst haben.

Unter den anderen 71 Prozent herrscht derweil eine Mischung aus Angst vor rassistischen Attacken, die seit der Wahl zugenommen haben, und Entschlossenheit, für ein besseres Amerika einzustehen, als Trump es verspricht. Lange wurde die nach wichtigen Neuigkeiten traditionelle Frage "Is it good for the Jews?" nur noch ironisch gestellt. Seit dem 8. November muss man sie wieder ernst nehmen. Umso mehr, da viele andere Gruppen in den USA dieselbe Frage für sich stellen.

Der Autor javascript:;ist Wissenschafter am Institut für Jüdische Theologie der Universität Potsdam

Seit gut drei Wochen versuchen amerikanische Juden, wie alle anderen Amerikaner und die Welt, das überraschende Ergebnis der Wahl zu verdauen. Laut einer ersten Studie haben 71 Prozent der Juden für Hillary Clinton gestimmt und 24 Prozent für Trump. Das liegt im Trend der letzten Wahlen. Juden wählen traditionell mit großer Mehrheit Demokraten. Aus historischer Erfahrung favorisieren sie als Minderheit liberal-progressive Kräfte, die für Toleranz und Vielfalt eintreten und die Schwächeren durch den Staat schützen wollen. Bei dieser Wahl kam der Schock über Trumps Spiel mit antisemitischen Motiven hinzu; die Berufung des rechtsextremen Agitators Stephen Bannon auf einen Schlüsselposten im Weißen Haus hat einen Proteststurm unter amerikanischen Juden ausgelöst.

Wer sind dann die 24 Prozent jüdischen Trump-Wähler? Studien zufolge gibt es einen Zusammenhang zwischen Wahlentscheidung und religiöser Identität: je religiöser, desto wahrscheinlicher pro Trump. Eine Umfrage vor der Wahl erhob, dass rund die Hälfte der Ultra-Orthodoxen für ihn stimmen würden. Aversionen gegen eine (diese) Frau in prominenter Rolle, Unterstützung für Trumps harte Haltung gegenüber Muslimen und islamischen Extremisten sowie Anerkennung für seine Bekenntnisse zu Israel -solche Faktoren dürften ihre Wahlentscheidung beeinflusst haben.

Unter den anderen 71 Prozent herrscht derweil eine Mischung aus Angst vor rassistischen Attacken, die seit der Wahl zugenommen haben, und Entschlossenheit, für ein besseres Amerika einzustehen, als Trump es verspricht. Lange wurde die nach wichtigen Neuigkeiten traditionelle Frage "Is it good for the Jews?" nur noch ironisch gestellt. Seit dem 8. November muss man sie wieder ernst nehmen. Umso mehr, da viele andere Gruppen in den USA dieselbe Frage für sich stellen.

Der Autor javascript:;ist Wissenschafter am Institut für Jüdische Theologie der Universität Potsdam