Sandu - © Foto: picturedesk.com / Tass  / Valery Sharifuli

Maia Sandu: Moldawien vor Richtungswechsel

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Die pro-europäische frühere moldawische Regierungschefin Maia Sandu scheint mit ihrem Programm bei der Präsidentschaftswahl einen Nerv getroffen zu haben.

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Die pro-europäische frühere moldawische Regierungschefin Maia Sandu scheint mit ihrem Programm bei der Präsidentschaftswahl einen Nerv getroffen zu haben.

Mit Korruption, Freunderlwirtschaft und Inkompetenz will Maia Sandu Schluss machen. Und die pro-europäische frühere moldawische Regierungschefin scheint damit einen Nerv getroffen zu haben. Vergangenen Sonntag hat Sandu, die Chefin der Oppositionspartei „Aktion und Solidarität“ (PAS), die erste Runde der Präsidentenwahl überraschend gewonnen. Die 48-Jährige lag nach Auszählung von 99,30 Prozent der Stimmen mit 35,87 Prozent in Führung vor dem pro-russischen Amtsinhaber Igor Dodon aus den Reihen der „Partei der Sozialisten“ (PSRM) mit 32,80 Prozent. Ausschlaggebend für Sandus Teilsieg waren die Stimmen der im Ausland wohnhaften moldawischen Wähler, die mit überwältigender Mehrheit für die pro-europäische Politikerin votierten. Mehr als 65 Prozent aller im Ausland abgegebenen Stimmen entfielen auf die Kandidatin. Sandu, die sich im Wahlkampf für einen „Staat, der im Dienste der Menschen steht“, ausgesprochen hatte, dankte in einer ersten Reaktion allen Bürgern aus dem In- und Ausland für ihre Wahlbeteiligung.

In der moldawischen Gemeinde Risipeni aufgewachsen, schaffte es Sandu ganz nach oben. Sie studierte Wirtschaftswissenschaften und Internationale Beziehungen in Moldawien und an der Harvard Kennedy School der Harvard University und arbeitete anschließend bei der Weltbank in Washington. Von 2012 bis 2015 war sie Bildungsministerin der Republik Moldau. 2019 wurde sie mit viel Widerstand zur Regierungschefin ernannt, ihre Regierung scheiterte aber noch im selben Jahr an einem Misstrauensvotum. Bei der diesjährigen Präsidentenwahl rief das pro-europäische Lager zu einer „beispiellosen Mobilisierung“ der eigenen Wählerschaft auf. Es sei „überaus wichtig, dass die Menschen in der Stichwahl massiv abstimmen gehen“, ansonsten werde man „Dodon nämlich nicht los“, sagte etwa der Chef der Partei „Pro Moldova“, Adrian Candu. Die Entscheidung im Rennen um die Präsidentschaft wird nun die für den 15. November angesetzte Stichwahl zwischen Sandu und Dodon bringen, da in der ersten Runde kein Kandidat gemäß den Regeln die erforderliche Mehrheit von 50 Prozent der Stimmen auf sich vereinen konnte.

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