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Religion

Bunter Vogel, mutiger Evangelischer

1945 1960 1980 2000 2020
1945 1960 1980 2000 2020

In ihrem Ruhestand Unruhige gibt es viele, aber Robert Kauer gehörte sicher zu den Umtriebigsten unter ihnen. Zugegeben, er musste sehr früh mit dem Unruhestand anfangen. Als evangelischer Pfarrer mit 31 Jahren in den Ruhestand versetzt, nützte er die Prügel, die man ihm vor die Füße warf als Stufen für eine neue berufliche Karriere, für neues politisches und kirchliches Engagement, für eine Familie - nicht ohne dabei der Alte zu bleiben: der mutige, der visionäre, der gläubige Christ. Anlass für das Zerwürfnis mit seinem Arbeitgeber war die von ihm 1965 durchgeführte "ökumenische Trauung" in Berndorf. Kirc enhistorisch war sie ein erster Testfall für den katholisch-evangelischen Dialog nach dem II. Vatikanischen Konzil. Der katholische Kardinal hatte nach Rücksprache in Rom grünes Licht dafür gegeben, aber der evangelische Superintendent untersagte sie. Kauer folgte seinem Gewissen - öffentlich und privat. Nach Disziplinarverfahren und seiner Entlassung als Pfarrer heiratete er die Katholikin Helga -in einer ökumenischen Trauung. Einer der Trauzeugen war Erhard Busek, Freund der Braut aus gemeinsamen Zeiten in der katholischen Jugend, und von da an Wegbegleiter der Familie, Taufpate des ersten Sohnes und politischer Mentor von Robert Kauer. "Ungeheuer aktiv, engagiert, ein lustiger Mensch, der gleichzeitig sehr scharf und pointiert die Dinge auf den Punkt bringen und für seine Positionen eintreten konnte", streut Busek, von der FURCHE zu Kauers Charakter befragt, seinem Freund Rosen. Ende der 1970er-Jahre holte Busek als Wiener ÖVP-Obmann und Vizebürgermeister Kauer als einen der "bunten Vögel" neben Jörg Mauthe und anderen Querdenkern und Freigeistern in die Stadtpolitik. Ein bis heute sichtbares Ergebnis von Kauers Engagement sind die Wiener Christkindlmärkte, sagt Busek: "Aber die kleinräumigen, so wie der Altwiener Christkindlmarkt auf der Freyung." Gar nicht klein dachte Kauer, wenn es um Europa ging, wo er dafür warb "tatsächlich europäische Europäer zu werden". Und groß dachte der langjährige juristische Oberkirchenrat, wenn es um seine Kirche ging. "Robert Kauer lebte die Stärken der Evangelischen Kirche in Österreich in seiner Person", sagte der evangelisch-lutherische Bischof Michael Bünker und gab Kauer den Ehrentitel: "Ein Protestant, wie er im Buche steht!" Am Freitag, den 4. Jänner, ist Robert Kauer im 84. Lebensjahr verstorben. Jetzt gilt andernorts, was Busek seinem Freund attestierte:"Wo Robert Kauer ist, da wird es spannend."

In ihrem Ruhestand Unruhige gibt es viele, aber Robert Kauer gehörte sicher zu den Umtriebigsten unter ihnen. Zugegeben, er musste sehr früh mit dem Unruhestand anfangen. Als evangelischer Pfarrer mit 31 Jahren in den Ruhestand versetzt, nützte er die Prügel, die man ihm vor die Füße warf als Stufen für eine neue berufliche Karriere, für neues politisches und kirchliches Engagement, für eine Familie - nicht ohne dabei der Alte zu bleiben: der mutige, der visionäre, der gläubige Christ. Anlass für das Zerwürfnis mit seinem Arbeitgeber war die von ihm 1965 durchgeführte "ökumenische Trauung" in Berndorf. Kirc enhistorisch war sie ein erster Testfall für den katholisch-evangelischen Dialog nach dem II. Vatikanischen Konzil. Der katholische Kardinal hatte nach Rücksprache in Rom grünes Licht dafür gegeben, aber der evangelische Superintendent untersagte sie. Kauer folgte seinem Gewissen - öffentlich und privat. Nach Disziplinarverfahren und seiner Entlassung als Pfarrer heiratete er die Katholikin Helga -in einer ökumenischen Trauung. Einer der Trauzeugen war Erhard Busek, Freund der Braut aus gemeinsamen Zeiten in der katholischen Jugend, und von da an Wegbegleiter der Familie, Taufpate des ersten Sohnes und politischer Mentor von Robert Kauer. "Ungeheuer aktiv, engagiert, ein lustiger Mensch, der gleichzeitig sehr scharf und pointiert die Dinge auf den Punkt bringen und für seine Positionen eintreten konnte", streut Busek, von der FURCHE zu Kauers Charakter befragt, seinem Freund Rosen. Ende der 1970er-Jahre holte Busek als Wiener ÖVP-Obmann und Vizebürgermeister Kauer als einen der "bunten Vögel" neben Jörg Mauthe und anderen Querdenkern und Freigeistern in die Stadtpolitik. Ein bis heute sichtbares Ergebnis von Kauers Engagement sind die Wiener Christkindlmärkte, sagt Busek: "Aber die kleinräumigen, so wie der Altwiener Christkindlmarkt auf der Freyung." Gar nicht klein dachte Kauer, wenn es um Europa ging, wo er dafür warb "tatsächlich europäische Europäer zu werden". Und groß dachte der langjährige juristische Oberkirchenrat, wenn es um seine Kirche ging. "Robert Kauer lebte die Stärken der Evangelischen Kirche in Österreich in seiner Person", sagte der evangelisch-lutherische Bischof Michael Bünker und gab Kauer den Ehrentitel: "Ein Protestant, wie er im Buche steht!" Am Freitag, den 4. Jänner, ist Robert Kauer im 84. Lebensjahr verstorben. Jetzt gilt andernorts, was Busek seinem Freund attestierte:"Wo Robert Kauer ist, da wird es spannend."