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Gold für Österreich?

Wem gehört der Nobelpreis? Beim Geld ist die Sache klar: dem Preisträger. Aber der Ruhm? Elfriede Jelinek kann froh sein, dass die alten Beißreflexe wenigstens bei der FPÖ noch funktionieren - eine gratulierende Partik-Pablé hätte ihr die Freude verderben müssen. Sie selbst hat nobel gemeint, andere hierzulande hätten den Preis eher verdient, jedenfalls Peter Handke. Kaum vorstellbar, dass der das umgekehrt auch von ihr gesagt hätte oder irgend ein anderer heimischer Autor, wohl auch keine Autorin.

Jelinek will die große Ehre mit "allen Frauen" teilen, aber partout nicht mit "Österreich", womit sie die jetzige Regierung meint. So beeilte sich der Bundespräsident zu versichern, es gehe ihm nicht um Vereinnahmung, aber man dürfe sich freuen. Der Kunststaatssekretär freute sich verhalten und sah die Steuerzahler ausgezeichnet. Die Kronen Zeitung titelte nicht, wie von der Kleinen Zeitung prophezeit, "Elfi holte Gold für Österreich", sondern "Führerschein kann schnell weg sein!" - aber die Steirerkrone ließ ihren patriotischen Gefühlen freien Lauf: "Nobelpreis für Obersteirerin." Die Sportfeindin Elfriede Jelinek ist zur Hermine Maier der Literatur geworden. Sie wird unserer Liebe nicht entgehen.

Im Ausgleich für solche Begehrlichkeit üben sich Gutmeinende retrospektiv in Keuschheit: Elias Canettis Nobelpreis 1981 habe Österreich sich angemaßt, der Autor sei britischer Staatsbürger gewesen. Das ist doch allzu bürokratisch gedacht: Canetti wurde im alten Österreich geboren, verbrachte seine entscheidenden Jahre in Wien, schrieb ein sehr österreichisches Deutsch und bezeichnete sich selbst als österreichischen Schriftsteller. Ihn zu einem englischen oder bulgarischen Autor zu machen, hieße die Vertreibung des Jahres '38 zu besiegeln.

Die Autorin ist Germanistin und Literaturkritikerin.

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