Viele Luster, wenig Lust

Der junge Regisseur Christian Weise war mit der Inszenierung von Shakespeares "Sommernachtstraum" für die Salzburger Festspiele überfordert.

Die letzte Premiere der diesjährigen Salzburger Festspiele galt Shakespeares Sommernachtstraum. Das abgründige Liebesmärchen, eine Koproduktion des Zürcher Schauspielhauses mit dem Salzburger Landestheater, hat der junge deutsche Regisseur Christian Weise leider bar jeden Zaubers inszeniert.

Sicher ist das alles gut gemeint: Der schelmische Kobold Puck als Puppe (bewegt und grandios gesprochen von Hans-Jochen Menzel), Titania und Oberons Objekt der Begierde als indischer Lustknabe, getanzt vom Choreografen und Forsythe-Tänzer Stephen Galloway, zudem ein Staraufgebot für die anderen Rollen: Corinna Kirchhoff und Robert Hunger-Bühler als das einander schon vor der Eheschließung entfremdete Paar Hippolyta und Theseus von Athen, bzw. als das durch Eifersüchteleien streitende Elfenkönigspaar Titania und Oberon und schließlich Michael Maertens als von sich überzeugter Laienmime Zettel.

Nach dem Schauspielchef der Salzburger Festspiele sollten "neue und grenzgängerische Theaterformen" erprobt werden. Regisseur Weise, Jahrgang 1973, ist mit Stück und Auftrag sichtlich überfordert. Denn die Verbindung von Puppenspiel, Tanztheater, akrobatischen Zirkuseinlagen und hoher Schauspielkunst bedeutet noch keine neue Formensprache. Wohl sollte sein Konzept die geteilten Motivwelten von Shakespeares Stück über die Liebe, die er illusionslos als schnelle Wechsel der Begierden charakterisiert, im Geiste Max Reinhardts evozieren, der das Stück vor genau 80 Jahren in Salzburg wiederholt in Szene gesetzt hatte. Allein die Absicht macht noch kein gutes Theater. Denn was man an dieser harmlosen über weite Strecken langweiligen Inszenierung vor allem vermisst, ist eines: die Regie. Es fehlt die ordnende Hand, die die einzelnen Darstellungsformen und ohnehin recht bescheidenen Ideen, zu einem (stimmigen) Ganzen zusammengefügt hätte.

Und so kommt es, dass die losen Versatzstücke sich ironisch und mehr unfreiwillig als Kommentar gegen das Ganze wenden. Angefangen bei der Bühne. Volker Hintermeier hat die Bühne bis auf die Brandmauern leer geräumt, pechschwarz ausgemalt. Kein Palast, kein Feenwald nirgends. Stattdessen gähnende Leere. Einzig ein überdimensionaler Kristallluster, ein Himmelszelt oder eine überirdische Liebesgrotte füllt die Bühne, ohne allerdings starke Bilder oder gar Erhellendes zur Handlung beizutragen. Der von Stephen Galloway choreographierte Tanz der Elfen ist schlechterdings unsäglich, unübersehbar von Reinhardts Verfilmung des Sommernachtstraumes (1935) inspiriert, aber ohne dessen visuelle Kraft.

Auch die Darsteller bleiben unter ihren Möglichkeiten. Corinna Kirchhoff und Robert Hunger-Bühler agieren lustlos: keine Lust aneinander und kaum Lust an der Inszenierung. Farblos bleiben auch die zwei jungen Liebespaare, denen, so hat man den Eindruck, Pucks erotisches Verwechslungs- und Verwirrspiel kaum was anhaben kann. Einzig Michael Maertens hat einige starke Momente.

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