Ausstellungsansicht Inspiration Beethoven © Leopold Museum - © Foto: Lisa Rastl

Inspiration Beethoven: Geniekult mit sakralen Zügen

1945 1960 1980 2000 2020

Wie bildende Künstler um 1900 sich von den Kompositionen Ludwig van Beethovens inspirieren ließen, zeigt das Leopold Museum in einer kleinen, feinen Ausstellung. Zu sehen sind vom Klassik-Titanen beeinflusste Werke von Klimt, Roller, Klinger und vor allem Auchentaller.

1945 1960 1980 2000 2020

Wie bildende Künstler um 1900 sich von den Kompositionen Ludwig van Beethovens inspirieren ließen, zeigt das Leopold Museum in einer kleinen, feinen Ausstellung. Zu sehen sind vom Klassik-Titanen beeinflusste Werke von Klimt, Roller, Klinger und vor allem Auchentaller.

Natürlich kennt man Gustav Klimts „Beethovenfries“. Dass aber einst in der Beethoven gewidmeten XIV. Ausstellung der Secession 1902 genau gegenüber ein heute verlorenes Wandbild von Josef Maria Auchentaller namens „Freude, schöner Götterfunken“ hing, wissen nur wenige. Und dass eben dieser Auchentaller sich ganz besonders von dem großen Komponisten beeinflussen ließ und inspiriert von dessen „Pastorale“, der 6. Symphonie, ein ganzes Musikzimmer schuf, kann in der Ausstellung „Inspiration Beethoven“ quasi am eigenen Leib erfahren werden. Haben die Kuratoren der Ausstellung, Werner Telesko und Dominik Papst, diesen Raum doch in allen Details nachbauen lassen.

„Jugendstil pur“

Zur damaligen Zeit gehörte es im Bildungsbürgertum zum guten Ton, ein Musikzimmer zu haben, in dem Hausmusik gemacht und kleinere Konzerte veranstaltet wurden. Gemälde rundum sollten den Kunstgenuss noch erhöhen und nicht selten waren diese wiederum auf Basis von Musikstücken entstanden. Im Fall von Auchentaller brachten die Klänge der „Pastorale“ den Künstler dazu, einen plätschernden Bach, tanzende Elfen und Gewitterwolken zu malen.

Zweieinhalb Meter hoch und insgesamt neun Meter lang ist das Jugendstil-Ensemble, das auch lustiges Beisammensein der Landleute, Sturm und Hirtengesänge schildert. Darüber hinaus entwarf Auchentaller die Vertäfelungen, Fenster und Luster für das Musikzimmer, die ganz aus einem Guss erscheinen, für seinen Schwiegervater, den Schmuckfabrikanten Georg Adam Scheid, in dessen Villa im Wiener Cottage-Viertel es aufgebaut wurde. Florales Dekor, ausschweifendes Lineament und Frauendarstellungen weisen die Werke klar als Früchte der Zeit aus: „Jugendstil pur“ ortet Kurator Dominik Papst – und beschreibt, dass Auchentaller ein „großes Talent dafür hatte, den Zeitgeist einzufangen.

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