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Jongleur des Schicksals

In "Voll Frontal" wagt Steven Soderbergh einen recht satirischen Blick hinter die Kulissen des Alltags in Hollywood.

Steven Soderbergh ist ein Regisseur der Extreme. Auf der einen Seite legt der seit "Sex, Lügen & Video" (1989) als Wunderkind bezeichnete Filmemacher reihenweise Blockbuster von "Ocean's Eleven" bis zu "Erin Brockovich" hin, auf der anderen Seite kehrt er immer wieder zu seinen Wurzeln zurück: Minimalistisch ausgestattete, niedrig budgetierte Arbeiten, die den Anspruch verfolgen, in erster Linie anders zu sein, als seine großen Hits. Was aber nicht bedeutet, dass Soderbergh dabei auf große Namen verzichtet: Schauspieler wie George Clooney oder Julia Roberts begleiten Soderbergh auch dann, wenn er ihnen keine astronomischen Gagen bezahlen kann.

Wie bei "Voll Frontal" ("Full Frontal"): Soderbergh machte sich mit einer Digitalkamera auf, um Julia Roberts und David Duchovny durch eine Hollywood-Welt zu geleiten, in der rein gar nichts geschönt und auf Hochglanz poliert ist. Die Bilder sind grobkörnig, künstliches Licht und Make-up für die Darsteller sind fast nicht existent. Die Handlung spielt an einem Tag und gewährt einen Einblick ins Filmbusiness, mit all seinen Verrücktheiten, Übertreibungen und Eskapaden. Soderbergh erzählt seine Satire anhand mehrerer Handlungsstränge: Da ist einmal die Geschichte von Carl, Redakteur eines Boulevard-Magazins, der seinen Chef hasst, seine Frau über alles liebt, von ihr aber verlassen wird. Deren Schwester hat längst aufgegeben, ein reales Beziehungsleben zu führen und sucht nach Dates im Internet. Dann noch der farbige Serien-Star Calvin, der es nach Hollywood geschafft hat, und in einem Film spielt, in dem er Ziel der Journalistin Francesca ist, die ein Porträt über ihn vorbereitet. Francesca wird gespielt von Catherine (Julia Roberts), produziert wird der Film-im-Film von Gus (David Duchovny), dessen 40. Geburtstag naht. Verwirrungen nicht nur im Plot, sondern auch im Leben der Protagonisten. Soderbergh, der Jongleur der Schicksale, drehte die Szenen seines Film-im-Films in üblicher Kinoqualität, den Rest mit einer Digitalkamera. Ein Stilmix, nicht nur formal, sondern auch beim Genre: "Voll Frontal" ist Komödie, Drama, Satire und Persiflage, Crime-Story und Hollywood-Kino in einem. Und dazu ein etwas anderer Blick hinter die Kulissen der Traumfabrik.

VOLL FRONTAL - Full Frontal

USA 2002. Regie: Steven Soderbergh. Mit David Duchovny, Nicky Katt, Catherine Keener, Mary McCormack, David

Hyde Pierce, Julia Roberts, Blair Underwood. Verleih: Buena Vista. 101 Min.

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