Haus am Meer - (Un-)Heile Familie. Ariane Ascaride, Jean-Pierre Darroussin und Gérard Meylan spielen drei erwachsene Kinder, die im Elternahus an der Mittelmeerküste zusammenkommen. - © Filmladen
Film

Rückkehr und Aufbruch

1945 1960 1980 2000 2020

In seinem Film „Das Haus am Meer“ trauert Robert Guédiguian zwar der Zeit nach, als man noch große soziale Träume hatte, zeigt aber auch, dass Visionen auch heute noch wichtig sind.

1945 1960 1980 2000 2020

In seinem Film „Das Haus am Meer“ trauert Robert Guédiguian zwar der Zeit nach, als man noch große soziale Träume hatte, zeigt aber auch, dass Visionen auch heute noch wichtig sind.

Der Schlaganfall des Vaters führt in Robert Guédiguians „Das Haus am Meer“ drei erwachsene Kinder im Elternhaus in einem Dorf an der Mittelmeerküste zusammen. Im Gegensatz zur Schauspielerin Angèle (Ariane Ascaride), bei der die Rückkehr Erinnerungen an den Unfalltod ihrer Tochter auslöst, und dem einst idealistischen, nun zynischen Gewerkschafter Joseph (Jean-Pierre Darroussin), der mit einer deutlich jüngeren Geliebten auftaucht, hat Armand (Gerard Meylan) sein Heimatdorf nie verlassen, sondern das Restaurant der Eltern weitergeführt. Im Nachbarhaus lebt noch ein altes Paar, das immer wieder von seinem Sohn besucht wird, und dann gibt es noch den Fischer Benjamin, der für Angèle schwärmt. Mehr braucht Guédiguian nicht, dessen Filme meist in der Gegend von Marseille spielen. Er holt die Welt und die großen Fragen der Menschen quasi hierher, verhandelt sie anhand der Familie.

Der Schlaganfall des Vaters führt in Robert Guédiguians „Das Haus am Meer“ drei erwachsene Kinder im Elternhaus in einem Dorf an der Mittelmeerküste zusammen. Im Gegensatz zur Schauspielerin Angèle (Ariane Ascaride), bei der die Rückkehr Erinnerungen an den Unfalltod ihrer Tochter auslöst, und dem einst idealistischen, nun zynischen Gewerkschafter Joseph (Jean-Pierre Darroussin), der mit einer deutlich jüngeren Geliebten auftaucht, hat Armand (Gerard Meylan) sein Heimatdorf nie verlassen, sondern das Restaurant der Eltern weitergeführt. Im Nachbarhaus lebt noch ein altes Paar, das immer wieder von seinem Sohn besucht wird, und dann gibt es noch den Fischer Benjamin, der für Angèle schwärmt. Mehr braucht Guédiguian nicht, dessen Filme meist in der Gegend von Marseille spielen. Er holt die Welt und die großen Fragen der Menschen quasi hierher, verhandelt sie anhand der Familie.

Getragen wird dieses sanfte Familiendrama von einem großartigen Ensemble, ist aber auch wunderbar unaufgeregt und stimmig inszeniert.

Immer wieder wird so angesprochen, dass einst das Küstendorf anders aussah, dass die einstige Solidarität geschwunden ist, das Restaurant ums Überleben kämpft und die Gentrifizierung längst auch diese Gegend erfasste. Um Vergänglichkeit geht es nicht nur mit der Krankheit des Vaters, sondern auch mit dem Bewusstsein der Protagonisten ihres Alterns und den Erinnerungen an ihre Kindheit und Jugend, die mehrfach in Rückblenden kurz hereinbrechen. Gleichzeitig wird dazu aber mit der unveränderten malerischen Schönheit dieser Gegend ein Kontrast aufgebaut.

Die Züge, die immer wieder über das hohe Viadukt hinter dem Dorf vorbeirasen, verweisen ebenso auf den Wandel der Zeiten, wie mit dem mehrmaligen Hinweis auf Brechts Stück „Der gute Mensch von Sezuan“, die Frage aufgeworfen wird, was eine gute Tat in einer schlechten Welt ausrichten kann. Von der Theorie wird dieses Problem dabei in die Praxis überführt, wenn Flüchtlinge auftauchen und sich die Frage stellt, wie man damit umgehen soll. Melancholisch trauert Guédiguian zwar der Zeit nach, als man noch große soziale Träume hatte, zeigt aber auch, dass Visionen auch heute noch wichtig sind, den Menschen am Leben und in Bewegung halten. Getragen wird dieses sanfte Familiendrama von einem großartigen Ensemble, ist aber auch wunderbar unaufgeregt und in jeder Szene stimmig inszeniert. Guédiguian beweist viel Gespür für den Schauplatz und auch für die Charaktere und verhandelt bei aller typisch französischen Leichtigkeit doch nie leichtfertig, sondern immer mit viel Mitgefühl und Tiefe die große Frage, wie man in der heutigen Welt leben soll.

Haus am Meer - © Filmladen
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Film

Das Haus am Meer (La villa)

F 2017. Regie: Robert Guédiguian.
Mit Ariane Ascaride, Jean-Pierre Darroussin,
Gérard Meylan, Jaques Boudet.
Filmladen. 107 Min.