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Keine Visitenkarte

Am Sonntag rief der ORF im Rahmen seiner (viel zu kurz angelegten) Themenabende "Die lange Nacht des kurzen Films" aus, bei der schlafresistente Kino- und Kulturinteressierte vor allem eines zu sehen bekamen: Überwiegend Fantasielosigkeit.

Anlass für den Kurzfilmabend: Der vom ORF ins Leben gerufene Wettbewerb "Shorts on Screen", bei dem im Vorjahr angehende Filmemacher ihre (thematisch uneingeschränkten) Filme und Videos einreichen konnten. Über 300 kurze Werke langten schließlich ein, davon wurden bei der vergangenen Diagonale in Graz pro Bundesland ein Siegerfilm, sowie ein Gesamtsieger gekürt.

Der ORF lobte im Vorfeld die "hohe Qualität" der Siegerfilme, von der Rezensent aber nichts bemerkt hat. Die von Laien oder Film- und Multimediastudenten gedrehten Filme kamen überwiegend ohne frische Ideen aus, schienen zum Teil eiligst heruntergekurbelt und langweilten trotz sozialer Themen und Anliegen.

Positiv zu bemerken: Der ORF zeigte im Anschluss an die "Shorts on Screen"-Sieger noch einige bemerkenswerte internationale Kurzfilme. Überhaupt stünde dem ORF eine eigene Kurzfilmsendung, wie es sie auf Arte bereits seit Jahren gibt, gut an. Denn in diesem Format machen junge Filmer ihre ersten Schritte in die Welt des professionellen (Spiel-)Films. Der ORF könnte hier eine Plattform für diese jungen Talente sein, und würde damit auch ein Stückchen seines Bildungsauftrages erfüllen - ohne viel investieren zu müssen: Denn Rechte an Kurzfilmen sind im Allgemeinen günstig zu erwerben.

Doch diese Tradition gibt es in Österreich bislang nicht: Eine Kurzfilmnacht wird wohl eher die Ausnahme bleiben - und das, obwohl es an den Filmschulen den Landes tatsächlich ausgezeichnete, international prämierte Filmminiaturen gibt. Die enttäuschende Qualität der "Shorts on Screen"-Beiträge ist jedenfalls keine Visitenkarte für den österreichischen Film - und auch nicht für den ORF.

autor@furche.at

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