Verbesserung für Familien- und Erwerbsarbeit

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Erwerbs- und Familienarbeit sind für Menschen von existenzieller Bedeutung, weil sie für die Gewinnung materieller und immaterieller Lebensgrundlagen unverzichtbar sind. Der Tag der Arbeit (1. Mai) und der Tag der Familie (15. Mai) geben Gelegenheit, darüber nachzudenken.

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Erwerbs- und Familienarbeit sind für Menschen von existenzieller Bedeutung, weil sie für die Gewinnung materieller und immaterieller Lebensgrundlagen unverzichtbar sind. Der Tag der Arbeit (1. Mai) und der Tag der Familie (15. Mai) geben Gelegenheit, darüber nachzudenken.

Die Zeit zwischen dem Tag der Arbeit (1. Mai) und dem Tag der Familie (15. Mai) gibt Gelegenheit, über diese Lebensorte nachzudenken, zwischen denen sich viele Menschen zerrissen fühlen – und die derzeit auch negativ (mit Arbeitslosigkeit und familialer Gewalt) in den Schlagzeilen sind. Dabei fällt zunächst die begriffliche Trennung von Arbeit und Familie auf, die der in Familien geleisteten Arbeit scheinbar keinen Platz einräumt. Als gleichwertige Schauplätze menschlicher Arbeit weisen Erwerbswelt und Familienwelt jedoch wichtige Gemeinsamkeiten auf: Erwerbs- und Familienarbeit sind für Menschen von existenzieller Bedeutung, weil sie für die Gewinnung materieller und immaterieller Lebensgrundlagen unverzichtbar sind: Als Orte der Begegnung und der Beziehung, wo entscheidende Weichenstellungen für die Beteiligung an Produktion und Reproduktion, den Selbstwert und den gesellschaftlichen Wohlstand erfolgen. Wobei Erwerbs- und Familiensphäre Gegenstand vieler, oft verzerrender Projektionen sind.

Die Vorstellung von Familie schwankt zwischen Idyll und Gewalterfahrung; jene der Erwerbswelt zwischen sinnstiftendem Lebensvollzug und Arbeitsleid. Und obwohl es in beiden Lebenssphären überaus positive und negative Erfahrungen gibt, bewegt sich der Alltag der meisten Menschen nur selten am Extremum. Vor allem sind Leiderfahrungen zum Glück seltener als jene der Freude! Beide Tage der Arbeit regen daher an, weder die Welt, in der wir leben, zu idealisieren – noch ob schrecklicher Einzelerfahrungen zu verzweifeln. Entscheidend ist vielmehr, in Familien- und Erwerbssphäre die konkreten Lebensumstände zu verbessern, um jene zentralen Beziehungen zu stützen, die eine Gesellschaft braucht: Die Beziehungen in der Erwerbswelt und in den Familien.

Der Autor ist Professor für Arbeits- und Sozialrecht und Leiter des Instituts für Familienforschung.

Der Artikel erschien in der FURCHE 18/21 unter dem Titel "Tage der Arbeit".

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