Eine Pizza für 30 Deutsche Mark

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Brigitte Quint giftet ihren Mann an, wenn der zu viel Kaffee kocht. Was Luxus-Hüften und Neidhammelinnen damit zu tun haben, lesen Sie hier:

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Brigitte Quint giftet ihren Mann an, wenn der zu viel Kaffee kocht. Was Luxus-Hüften und Neidhammelinnen damit zu tun haben, lesen Sie hier:

Geldangelegenheiten. Sie nerven mich. Das bringt meine Eltern auf die Palme, seit ich zählen kann. Ja. Ich bediene damit ein in Beton gegossenes Klischee.

Bislang verlief mein (Erwachsenen-)Leben folgendermaßen: Ich erledigte meinen Job, bekam dafür ein Gehalt. Davon bezahlte ich, was anstand. Das klappt, weil sich meine Fixkosten und Ausgaben in Grenzen halten. Gleichzeitig hatte ich das Glück, nie in finanzielle Schieflagen geraten zu sein.

Leute, die ständig darüber sprechen, wofür sie kein Geld ausgeben und wo sie wann sparen, könnte ich auf den Mond schießen. Sie sagen im Grunde, dass solche wie ich (Sparbuch statt Fonds) einen an der Waffel haben. Meistens geht dieser Menschenschlag mit Schmarotzertum einher. Wenn andere den Wein ausschenken, den sie nie selbst kaufen würden, dann lassen sie sich gerne ihr Glas bis zum Rand anfüllen.

Denke ich an diese Sparfüchse, wächst in mir der Neid. Weil sie mich eines Tages auslachen werden: Wenn ich in Altersarmut abgerutscht bin, während sie von ihren fünfzig Zusatzpensionen zehren – oder sie sich eine Luxushüfte montieren lassen und ich mit dem Kassenmodell herumhinke.

Die Teuerung. Ich wünschte, ich könnte sie ausblenden. Stattdessen steigere ich mich hinein. Ich rechne die Preise sogar in Deutsche Mark um. Mein Lieblingsbrot kostet mittlerweile zwölf Mark. Die Pizza vom Italiener um die Ecke 30 Mark. Mein Mann verdreht ob meiner neuen Wesensart nur noch die Augen. Er hat eine Frau geheiratet, die großzügig mit sich und der Welt agiert(e). Nun wird er angegiftet, wenn er zu viel Kaffee kocht. 500 Gramm kosten schließlich 15 Mark.

Ich betrachte die Inflation als persönliche Beleidigung. Verdirbt Geld den Charakter? Nur wenn man darüber nachdenkt.

Lesen Sie auch die Quint-Essenz "Der grüne Treppenwitz" oder "Friedrich Merz und ich".

Geldangelegenheiten. Sie nerven mich. Das bringt meine Eltern auf die Palme, seit ich zählen kann. Ja. Ich bediene damit ein in Beton gegossenes Klischee.

Bislang verlief mein (Erwachsenen-)Leben folgendermaßen: Ich erledigte meinen Job, bekam dafür ein Gehalt. Davon bezahlte ich, was anstand. Das klappt, weil sich meine Fixkosten und Ausgaben in Grenzen halten. Gleichzeitig hatte ich das Glück, nie in finanzielle Schieflagen geraten zu sein.

Leute, die ständig darüber sprechen, wofür sie kein Geld ausgeben und wo sie wann sparen, könnte ich auf den Mond schießen. Sie sagen im Grunde, dass solche wie ich (Sparbuch statt Fonds) einen an der Waffel haben. Meistens geht dieser Menschenschlag mit Schmarotzertum einher. Wenn andere den Wein ausschenken, den sie nie selbst kaufen würden, dann lassen sie sich gerne ihr Glas bis zum Rand anfüllen.

Denke ich an diese Sparfüchse, wächst in mir der Neid. Weil sie mich eines Tages auslachen werden: Wenn ich in Altersarmut abgerutscht bin, während sie von ihren fünfzig Zusatzpensionen zehren – oder sie sich eine Luxushüfte montieren lassen und ich mit dem Kassenmodell herumhinke.

Die Teuerung. Ich wünschte, ich könnte sie ausblenden. Stattdessen steigere ich mich hinein. Ich rechne die Preise sogar in Deutsche Mark um. Mein Lieblingsbrot kostet mittlerweile zwölf Mark. Die Pizza vom Italiener um die Ecke 30 Mark. Mein Mann verdreht ob meiner neuen Wesensart nur noch die Augen. Er hat eine Frau geheiratet, die großzügig mit sich und der Welt agiert(e). Nun wird er angegiftet, wenn er zu viel Kaffee kocht. 500 Gramm kosten schließlich 15 Mark.

Ich betrachte die Inflation als persönliche Beleidigung. Verdirbt Geld den Charakter? Nur wenn man darüber nachdenkt.

Lesen Sie auch die Quint-Essenz "Der grüne Treppenwitz" oder "Friedrich Merz und ich".

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