Jäger
Porträtiert

Benediktinermönch, Autor und Zen-Lehrer Willigis Jäger verstorben

1945 1960 1980 2000 2020

Wenige Wochen nach seinem 95. Geburtstag ist Willigis Jäger im Benediktushof, dem „Zentrum für spirituelle Wege“, in der Nähe von Würzburg verstorben.

1945 1960 1980 2000 2020

Wenige Wochen nach seinem 95. Geburtstag ist Willigis Jäger im Benediktushof, dem „Zentrum für spirituelle Wege“, in der Nähe von Würzburg verstorben.

Willigis Jäger hat die Art und Weise, wie im deutschen Sprachraum aktuell über Spiritualität gesprochen wird, maßgeblich beeinflusst. Geboren am 7. März 1925 in Unterfranken, war er im Zweiten Weltkrieg Kampfflieger, trat 1946 in die Benediktiner abtei Münsterschwarzach ein, studierte Theologie und wurde 1952 zum Priester geweiht.

Ab 1960 war er Referent für „Mission und Entwicklung“ bei der deutschen Katholischen Jugend. 1969 begann er in Japan bei dem Jesuiten und Pionier des Zen unter Christen, Hugo M. Enomiya-Lassalle, Zen zu üben. 1972 wurde er Schüler von Lassalles Lehrer, dem Laien-Zenmeister Yamada Koun Roshi. 1980 bekam er – wie andere Ordensleute, die bei Yamada Koun übten – die Lehrerlaubnis und wurde 1996 zum Roshi ernannt. 2009 gründete Willigis Jäger seine eigene Zen-Linie und erhielt von dem chinesischen Ch’an-Meister Jing Hui die Bestätigung als Ch’an-Meister.

Willigis Jäger verstand sich in seiner Doppelrolle als Benediktiner und Zen-Meister als Vertreter einer neuen transreligiösen Spiritualität. Er gab sowohl Kontemplationskurse als auch Zen-Kurse und gründete die „Würzburger Schule der Kontemplation“, die 2012 als Teil der „Willigis Jäger Stiftung West-Östliche Weisheit“ umbenannt wurde in „Kontemplationslinie Wolke des Nichtwissens“. Mit seinen Büchern, Vorträgen und Kursen erreichte Willigis Jäger viele Menschen, denen die traditionelle kirchliche Religiosität fremd geworden ist.

Basierend auf seiner eigenen spirituellen Erfahrung postulierte er ein Gottesbild, das Theologen als eindimensional kritisierten. Nach einem Konflikt mit der Glaubenskongregation bat er 2002 um Exklaustrierung (Beurlaubung aus dem Orden) und gründete, gesponsert von einer vermögenden Schülerin, den „Benediktushof“ als „Zentrum für spirituelle Wege“, das von seinen Nachfolgern weitergeführt wird. Willigis Jäger wird auf eigenen Wunsch hin in der Benediktiner abtei Münsterschwarzach beigesetzt.