Heinz Faßmann - © Foto: APA / Georg Hochmuth

Heinz Faßmann: "Mit emotionaler Komponente"

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Der Ex-Bildungsminister folgt im Juli Anton Zeilinger als Präsident der Österreichischen Akademie der Wissenschaften nach.

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Der Ex-Bildungsminister folgt im Juli Anton Zeilinger als Präsident der Österreichischen Akademie der Wissenschaften nach.

Er übernimmt eine Institution, deren Selbstverständnis in einer Zeit rasanter Umbrüche auf dem Prüfstand steht: Heinz Faßmann wird neuer Präsident der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW). Der 66-jährige Geograph folgt Anfang Juli dem Quantenphysiker Anton Zeilinger nach, dessen zweite und letzte Amtszeit als ÖAW-Präsident damit zu Ende geht.

Ex-Bildungsminister Faßmann blickt auf eine Karriere an der Uni Wien zurück, wo er seit dem Jahr 2000 Professor und von 2011- 2017 auch Vizerektor war. Nun wurde er von den ÖAW-Mitgliedern mit absoluter Mehrheit an die Spitze der Akademie gewählt, die zugleich eine Gelehrtengesellschaft und Forschungsinstitution ist. Seine Vision: Die ÖAW solle „auf der Basis herausragender Forschung weiter wachsen“ und „die Möglichkeiten des europäischen Forschungsraums noch besser nützen“. Sein Amtsantritt dort habe auch „eine gewisse emotionale Komponente“, verriet der gebürtige Düsseldorfer gegenüber APA Science. Schließlich ist er der ÖAW seit 1981 verbunden, als er dort am Institut für Demographie angeheuert hatte. Seine Funktion als Direktor am ÖAW-Institut für Stadt- und Regionalforschung hat er während der Amtszeit als Minister – Faßmann war parteilos, aber von der ÖVP nominiert – ruhend gestellt.

Er war Politiker in turbulenter Zeit: Der zweifache Familienvater kam 2017 als Experte für Migration und Integration in die ÖVP-FPÖ-Regierung, die nach dem Ibiza-Video jäh auseinanderbrach. Die zweite Amtszeit in einer türkis-grünen Bundesregierung stand plötzlich im Zeichen der Corona-Pandemie. Faßmann bemühte sich, die Schulen möglichst offen zu halten; ein umfangreiches Testsystem wurde aber erst spät eingeführt. Für sein Krisenmanagement wurde er teils scharf kritisiert. Der 2,04-Meter-Mann hatte aber auch die Größe, sich dafür zu entschuldigen: „Für die Kurzfristigkeit der Maßnahmen und auch der Informationsweitergabe bitte ich nachträglich nochmals um Nachsicht“, erklärte er bei seinem Abschied aus der Politik. Als designierter ÖAW-Präsident will er nun alte Traditionen neu formulieren: Die Gelehrtengesellschaft der Akademie sieht er dabei als „Advisory Board“ für den Forschungsträger.

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