Xavier Bertrand - © Foto: APA / AFP / Francois Lo Presti

Xavier Bertrand und seine „Partie zu Dritt“

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Bisher hatten die konservativen Republikaner Schwierigkeiten einen Kandidaten gegen Macron zu finden. Mit Xavier Bertrand (56) dürfte ihnen das nun gelungen sein.

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Bisher hatten die konservativen Republikaner Schwierigkeiten einen Kandidaten gegen Macron zu finden. Mit Xavier Bertrand (56) dürfte ihnen das nun gelungen sein.

Champagner-Stimmung bei den französischen Konservativen und den Sozialisten: Die Regionalwahlen vergangenen Sonntag sind für Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und die Rechtspopulistin Marine Le Pen zu einem Debakel geworden. Nun suchen die traditionellen Volksparteien bereits nach möglichen Bündnissen für die Präsidentschaftswahlen in zehn Monaten. Bisher hat sich aber nur ein Mann offiziell zum Herausforderer von Staatschef Emmanuel Macron erklärt: Es handelt sich dabei um den früheren Gesundheitsminister Xavier Bertrand. Er hatte seine Präsidentschaftskandidatur von einem Sieg bei den Regionalwahlen abhängig gemacht. Mit rund 53 Prozent wurde der 56-Jährige nun klar als Präsident der nordfranzösischen Region Hauts-de-France mit Städten wie Calais und Dünkirchen bestätigt. Damit sei die Präsidentschaftswahl eine „Partie zu Dritt“, sagte Bertrand der Zeitung „Les Echos“ unter Anspielung auf Staatschef Macron und Le Pen.

Bisher lag er in Umfragen für die Präsidentschaftswahl allerdings deutlich hinter beiden. Der bürgerliche Kandidat wirbt für eine „soziale und volksnahe Rechte“. Bis 2017 gehörte er noch der konservativen Partei „Die Republikaner“ von Ex-Präsident Nicolas Sarkozy an. Er trat dann aber wegen des ihm zu rechtslastigen Kurses aus. „Dieses Ergebnis gibt mir die Stärke, auf alle Franzosen zuzugehen“, sagte Bertrand nach der Wahl. Als mögliche weitere Anwärter und Anwärterinnen für die Präsidentschaftswahlen gelten auch Valérie Pécresse aus der Hauptstadtregion Paris und Laurent Wauquiez aus Auvergne-Rhône-Alpes. Bisher hatten die konservativen Republikaner Schwierigkeiten, einen potenziellen Kandidaten gegen Macron zu finden - nun könnte es mit Bertrand eine starke Konkurrenz geben.

Frankreichs Regionen haben etwa in den Bereichen öffentlicher Verkehr, Bildung und Wirtschaftsförderung wichtige Kompetenzen. Im zentralistisch organisierten Frankreich ist ihr Einfluss verglichen mit den österreichischen Bundesländern aber begrenzt. Wegen der Corona-Pandemie mussten die französischen Regionalwahlen um drei Monate verschoben werden. Die Wahlbeteiligung war mit etwa 30 Prozent sehr gering.

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