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PaPst träumt von euroPa

Im (kirchen) politischen Alltag wird ihm ganz schön mitgespielt: Franziskus, der Papst, hat es nicht leicht. Auch hierzulande werfen

die einen seiner Wirtschaftskritik Ahnungslosigkeit und neomarxistische Träumereien vor, und das ultrakonservative Lager - inklusive des Philosophen Robert Spaemann - schreit gar: "Kirchenspaltung!" oder: "Häresie!", weil der Pontifex in der Geschiedenen-Frage nicht der Hardliner-Position frönt, der sich die Amtsvorgänger befleißigten.

Diese Scharmützel, das möchte man gerade den genannten Kritikern ins Stammbuch schreiben, schwächen den Papst als moralische Autorität, die etwa das trudelnde Europa so dringend braucht. Gott sei Dank lässt sich Franziskus in seiner diesbezüglichen Standfestigkeit nicht beirren, wie man bei seiner Rede zur Verleihung des Karlspreises, die am letzten Freitag in Rom stattfand, einmal mehr sehen kann.

Europa und gerade Österreich befinden sich zurzeit beinahe schon in einem Rausch des Rechtspopulismus. Aus welchem Blickwinkel man selbigen auch betrachtet: Diese Entwicklung verheißt nichts Gutes, weder für den alten Kontinent, noch für die Menschheit insgesamt. Europa ist ja nicht einmal mit sich selber beschäftigt, sondern es sind die einzelnen Teile Europas, die um sich selber kreisen und das unsägliche Lied des Nationalismus singen, der den Kontinent bereits ein unsägliches Jahrhundert lang in den Abgrund geführt hat.

"Was ist mit dir los, humanistisches Europa, du Verfechterin der Menschenrechte, der Demokratie und der Freiheit? Was ist mit dir los, Europa, du Heimat von Dichtern, Philosophen, Künstlern, Musikern, Literaten?" So lauteten Franziskus' Fragen an den müden Kontinent. Der Papst wagte es gar, von einem "neuen europäischen Humanismus" zu träumen, und - ein Wort des Schoa-Überlebenden Elie Wiesel aufnehmend - aufzufordern, das "Gedächtnis zu halten".

Es mag - je nach Stimmungslage - aberwitzig oder naiv klingen, solche Visionen in Tagen wie diesen zu beschwören und nicht verstummen zu lassen. Aber man muss dankbar sein, dass dieser Mann vom anderen Ende der Welt nicht aufhört, seine Stimme eindringlich zu Gehör zu bringen.

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