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Kunden von Kellogg's bis CIA

" Nicht nur in großen Konzernen herrschen Kostendruck und Effizienzdoktrin. Sie bestimmen auch den Takt in der Verwaltung.

Als 2015 die AWS-Server in Virginia ausfallen, bleiben Netflix und Tinder schwarz. Netflix baute sein ganzes Geschäft in der Amazon-Cloud auf."

Die österreichischen Startup-Überflieger von Runtastic, der Weltkonzern Kellogg' s, die Kempinski-Gruppe, Medienunternehmen wie die Financial Times und der britische Guardian sind Kunden von Amazon Web Services (AWS). Und die Liste lässt sich noch lange fortsetzen: Die Deutsche Bahn, die tschechische Tochter des Energiekonzerns RWE und der weltweit größte Baustoffhersteller Lafarge. Dazu bekannte Namen wie Nokia und Pfizer, Unilever und die University of Pennsylvania wie auch Harvard.

Die Ernährungshilfsprogramme des Landwirtschaftsministeriums der USA gehören ebenso zu den Kunden von AWS wie der britische National Trust, der Denkmalpflege betreibt, und das Royal Opera House im Londoner Covent Garden. Als im September 2015 die AWS-Server im amerikanischen Virginia ausfallen, bleiben Netflix und Tinder schwarz. Netflix hat überhaupt sein ganzes Geschäft in der Amazon-Cloud aufgebaut.

"Secret Cloud" für Geheimdienste

Nicht nur in den Strategieabteilungen großer Konzerne herrschen Kostendruck und Effizienzdoktrin. Sie bestimmen auch den Takt in der Verwaltung. 3000 Regierungsstellen weltweit kann Amazon Web Services im Kundenbuch bereits anführen. Vor allem in den vergangenen drei Jahren habe sich dieser Kundenstamm "dramatisch vergrößert", erklärt AWS-Chef Andy Jassy. Das britische Justizministerium ist schon in der Wolke. Das US Center for Disease Control and Prevention ebenso, die US-Behörde für Lebens-und Arzneimittel FDA und das US-Außenministerium auch. Der Bundesstaat Arizona hat begonnen, seine IT-Infrastruktur teilweise auf Amazon-Server zu verlegen.

Das muss nicht zwingend heißen, dass sensible Daten in die Cloud gespielt werden, doch der erste Schritt ist getan und vieles spricht dafür, dass ihm weitere folgen werden. Selbst der amerikanische Geheimdienst CIA hat sich 2014 bei Amazon Web Services um 600 Millionen Dollar auf zehn Jahre eingemietet. Auch um mit dem technologischen Fortschritt, vor allem mit Big Data-Lösungen Schritt halten zu können, greift die CIA heute auf den privaten Anbieter zurück.

Kein Wunder, dass Amazon Web Services im Herbst 2017 die Einrichtung einer eigenen "Secret Cloud" für alle amerikanischen Dienste groß verkünden ließ. Denn mit den amerikanischen Geheimdiensten lässt sich gut Werbung machen. Für europäische Kunden habe man die Dienste auf die EU-Datenschutzrichtlinie ausgerichtet, heißt es von AWS. Außerdem kann der europäische Kunde sich aussuchen, an welchem Ort seine Daten abgelegt werden sollen. Im Jahr 2015 hatte der Europäische Gerichtshof nach dem NSA-Skandal entschieden, dass Daten aus der Europäischen Union in den USA nicht sicher seien.

"Stored in Austria"

Während auch international Teile der öffentlichen Verwaltung immer zahlreicher in die Wolke wandern, werden Daten aus österreichischen Regierungsstellen offenbar noch vor Ort gespeichert. Die Stadt Wien beispielsweise "hält und verwaltet Daten in ihrem eigenen Rechenzentrum". Eine spezielle Richtlinie für die Nutzung von Cloud-Diensten erlaubt deren Verwendung nur für frei verfügbare Daten -solche etwa, die aus dem Internet kommen. Die Interessenvertretung der Rechtsanwälte in Österreich, der Rechtsanwaltstag, hat strenge Richtlinien im Umgang mit Klientendaten beschlossen, die im Grunde darauf hinauslaufen, sie in Österreich zu speichern. Und die Wirtschaftskammer hat mit "Stored in Austria" ein eigenes Gütesiegel entwickelt. Es soll sicherstellen, dass der Träger die Daten in österreichischen Serverfarmen belässt.

In Deutschland müssen die Einrichtungen des Bundes dafür Sorge tragen, dass Informationen wie Betriebs- und Geschäftsgeheimnisse oder sensible Daten über IT-Infrastrukturen des Bundes ausschließlich in Deutschland verarbeitet werden. Das österreichische Innenministerium hat eine entsprechende Anfrage nicht beantwortet.

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